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The week

from 16. until 22. December 2020

Gefährdet

Es geht bergauf

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Foto: Imago Images

Es kommt nicht oft vor, dass es einem Tier gelingt, als Metapher Einzug in den politisch-journalistischen Komplex zu finden. Der Berggorilla hat es geschafft, der „Silberrücken“ gilt als spaßige Umschreibung für Alphatiere wie Gerhard Schröder oder Horst Seehofer. Auch in anderer Beziehung ist der Berggorilla ein Gewinner: Nachdem er lange als stark bedroht galt, ist er nun in die Kategorie „stark gefährdet“ herabgestuft worden. Die Populationen an den Hängen des Virunga-Vulkans und im Bwindi-Nationalpark wachsen wieder. Der Mensch spielt dabei ausnahmsweise mal eine positive Rolle: Durch Gorilla-Tourismus kommt viel Geld ins Land, das dem Tierschutz zum Vorteil gereicht. Philip Grassmann

Ausgestorben

Star unter den Kröten

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Foto: Michael & Patricia Fogden/Minden Pictures/Picture Alliance

Ginge es nur nach dem Aussehen, dann müsste dieses Tier ewig leben. Unter den Kröten, die zum Teil doch recht unansehnlich sind, ist die Goldkröte der unbestrittene Star. Leider ist es genau umgekehrt, ihre Art ist ausgestorben. Dabei ist die Goldkröte, die in den Bergen Costa Ricas in rund 2.000 Meter Höhe lebte, mit dem bloßen Auge im Dschungel kaum zu erkennen: Sie ist nur 48 Millimeter groß, sie hätte sich vor Feinden, zum Beispiel dem Menschen, gut verstecken können. Nur war der Gegner kein Lebewesen, sondern ein Zustand. Der Klimawandel hat die Kröte auf dem Gewissen. Mal regnete es zu stark und der Froschlaich wurde fortgespült, dann war es wieder zu trocken. Philip Grassmann

Neu entdeckt

Pinocchio mit Panzer

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Foto: Thomas Ziegler/WWF/dpa/Picture Alliance

Das Mekongdelta im Süden Vietnams ist ungefähr so groß wie Baden-Württemberg, und so ist es nicht verwunderlich, dass in diesem teils extrem unzugänglichen Gebiet immer wieder neue Arten gefunden werden. Kürzlich entdeckten Forscher im trüben Wasser des Mekong eine Schildkröte mit Rüssel und geflecktem Panzer. Sie sieht ein wenig wie ein Pinocchio der Sümpfe aus. Und das ist nur eine von mehr als 100 Arten, die in den letzten zwei Jahren dort katalogisiert wurden. Pelodiscus variegatus ist allerdings, kaum dass sie entdeckt wurde, sofort wieder vom Aussterben bedroht. Wilderer stellen dem Tier nach, denn in Asien gilt Schildkrötenfleisch nach wie vor als Delikatesse. Philip Grassmann

Bedroht

Gejagt und gegessen

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Foto: Imago Images

Zahlen sind abstrakt, und deshalb lassen sich empörende Zustände mit ihrer Hilfe oft verharmlosen. Im Fall der bedrohten Arten funktioniert das nicht: Mehr als 35.500 sind derzeit vom Aussterben bedroht. Und die Liste, die der World Wildlife Fund führt, wird immer länger. Die Gattung der Hornvögel ist auf ihr prominent vertreten. Insbesondere im subtropischen Afrika und in Asien sind diese Tiere weitverbreitet, doch ihre Bestände sinken seit Jahren. Grund dafür ist nicht nur, dass die Wälder, in denen diese Vögel nisten, immer stärker abgeholzt werden. Sie werden außerdem gejagt und gegessen. Ein gebogener Hornvogel-Schnabel ist auf dem Schwarzmarkt inzwischen teurer als Elfenbein. Philip Grassmann

Invasiv

Von China nach Südtirol

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Foto: Imago Images

Das Phänomen ist zugegebenermaßen nicht neu, aber dieses invasive Tier hat einen besonders weiten Weg zurückgelegt. Der Marderhund stammt ursprünglich aus China. Mitte des 19. Jahrhunderts traf man ihn bereits in Russland an, seit 1960 breitet sich das ziemlich scheue Tier, das bevorzugt in Wäldern lebt, auch hierzulande aus. Auf den ersten Blick ähnelt er einem irgendwie zu schlanken Waschbären, auf den zweiten sieht er dann doch wie ein Hund aus. Wenn man ihn denn überhaupt zu Gesicht bekommt, denn der Marderhund ist vor allem nachts unterwegs. Inzwischen wurde er auch in Österreich und Südtirol gesichtet. Und dabei wird es kaum bleiben. Philip Grassmann