Loading

The week

from 13. until 19. December 2018

Gelbwesten

Soziale Gerechtigkeit

placeholder article image

Vier Wochen des Aufruhrs in Frankreich – landesweit, besonders in Paris –, und Präsident Macron muss sich zu einer Politik des Umverteilens durchringen, die ihm bisher suspekt war. Die „Gilets jaunes“ erreichen, dass es keine angehobene Benzinsteuer gibt, der Mindestlohn erhöht werden soll, Pensionäre von Sozialabgaben entlastet werden. Energischer Protest hat durchgesetzt, was manchem Zeitgenossen unzeitgemäß erscheinen mag: ein Minimum an sozialer Gerechtigkeit. Sie fehlt Millionen wie die Luft zum Atmen, muss sie derart entbehrt werden wie in Frankreich. Erstaunlich, wie prompt ein Präsident den Offenbarungseid leisten und Verwundbarkeit eingestehen muss. Lutz Herden

#Wirsindmehr

Tanz der Toleranz

placeholder article image

Wie gelähmt starrte die Linke seit 2016 auf eine Rechte, die den politischen Diskurs Stück für Stück verschlang und am Ende nur den Satz „es können nicht alle kommen“ übrig ließ. 2018 jedoch geriet sie endlich in Bewegung. Erst tanzten Zehntausende im Mai auf den Straßen Berlins gegen die AfD, dann gründeten sich bundesweit knapp 100 Seebrücken-Initiativen für solidarische Städte, Zigtausende demonstrierten gegen rechte Hetze in Bayern, 65.000 deklarierten die antifaschistische Mehrheit in Chemnitz, im Herbst schließlich demonstrierten 250.000 Menschen für eine unteilbare Linke in Berlin. Die Zivilgesellschaft ist warmgelaufen. Und die parlamentarische Linke? Elsa Koester

IG Metall

Zeit für die Liebsten

placeholder article image

Jede zweite Beschäftigte in Deutschland würde gerne weniger arbeiten, ergab eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz im November. Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie dürfen das ab dem 1. Januar, dank des Einsatzes der IG Metall. Die Gewerkschaft setzte 2018 das Recht durch, die Vollzeit befristet auf bis zu 28 Stunden pro Woche zu reduzieren. Wer Kinder erzieht, Angehörige pflegt oder Schicht arbeitet, kann außerdem zusätzliche acht Tage im Jahr freinehmen. Was bei alledem noch fehlt: der volle Lohnausgleich. Dennoch wählten bundesweit bis Ende November 190.000 Beschäftigte lieber mehr lohnarbeitsfreie Zeit als mehr Geld. Elsa Koester

Streiks

Frauenpower

placeholder article image

Erst fluteten wütende Frauen in Schwarz die Straßen Polens, in Grün und Lila die Straßen Argentiniens, dann erreichte die Frauenstreik-Welle auch Spanien: Fünf Millionen Frauen legten dort am 8. März 2018 sämtliche Arbeit nieder. Sie streikten für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung, für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege und für die Umverteilung der unbezahlten Sorgearbeit. Inzwischen beteiligen sich außerdem Peru, Italien, die USA und Großbritannien am Frauenstreik-Bündnis; auch in Deutschland soll 2019 gestreikt werden. In Berlin wird der 8. März sogar Feiertag. Gestreikt wird umso mehr: in der unbezahlten Koch-, Putz- und Erziehungsarbeit. Elsa Koester

Hambacher Forst

Fledermaus, flieg!

placeholder article image

Anfang das Jahres stand die Rodung des Hambacher Forsts fest, Ende des Jahres stehen die Bäume noch immer. Ob es am Ende die andauernden Proteste und Baumbesetzungen waren, die Großdemonstration mit 50.000 Klimaaktivisten Anfang Oktober – oder das energische Eintreten des BUND für den Erhalt der seltenen Bechsteinfledermaus, das wird der Geschichtsschreibung überlassen. Das Oberverwaltungsgericht Münster verfügte jedenfalls einen Rodungsstopp, bis über die BUND-Klage gegen den Hauptbetriebsplan 2018 bis 2020 für den Braunkohletagebau Hambach entschieden wird. Erster Verhandlungstermin beim Verwaltungsgericht Köln ist der 12. März 2019. Elsa Koester