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The week

from 14. until 20. December 2017

Rechtsextremismus

Als Syrer getarnt

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Illustration: der Freitag

Im April wird der Bundeswehrsoldat Franco A. verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, Anschläge gegen linke Aktivisten und Politiker geplant zu haben. A.s rechtsradikale Gesinnung war seinen Vorgesetzten spätestens seit 2014 bekannt. Besonders brisant: Ende 2015 legte A. sich eine Tarnidentität als Syrer zu, 2016 wurde ihm eingeschränkter Schutz als Asylbewerber zugestanden. Mögliche Anschläge wollte er vermutlich Geflüchteten in die Schuhe schieben. Am 1. Dezember erhebt der Generalbundesanwalt Anklage: Franco A. werden die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, illegaler Waffenbesitz und Sozialbetrug vorgeworfen. Christine Käppeler

Iriserkennung

Das ging ins Auge

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Illustration: der Freitag

Statt Zahlencode oder Fingerabdruck entsperrt die jüngste Generation vieler Smartphones ein Blick in die Kamera. Wie sich die vermeintlich bombensichere Iriserkennung überlisten lässt, zeigt der Chaos Computer Club im Mai. Er veröffentlicht ein Video, das im Stil der Erklärfilme der Sendung mit der Maus gehalten ist, inklusive der beliebten Melodie. Darin zeigt ein Biohacker, wie es geht. Benötigt werden eine Digitalkamera, ein Drucker und eine Kontaktlinse. Mit der Kamera fotografiert man das Gesicht im Nachtmodus, danach druckt man das Auge in Lebensgröße aus und legt die Kontaktlinse auf das Fotoauge. Attrappe vor die Kamera halten – schon ist das Telefon entsperrt. Christine Käppeler

G20-Krawalle

„Bild“ spielt Sheriff

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Illustration: der Freitag

„Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?“, titelt die Bild-Zeitung nach dem Gipfel und zeigt Nahaufnahmen mutmaßlicher Hooligans. Einen Tag später vermeldet sie stolz den ersten Fahndungserfolg: Ein 19-Jähriger wurde von seiner Oma erkannt, daraufhin stellte er sich der Polizei. Der Presserat spricht Bild für diesen Law-and-Order- Stunt eine Missbilligung aus: Es gehöre nicht zur Aufgabe der Presse, selbstständig nach Bürgern zu fahnden. Mit dem Ansehen der Presse sei dies nicht vereinbar. Im Dezember stellen die Ermittler selbst über 100 Fahndungsfotos und -videos ins Netz. Und rufen die Bevölkerung nun im großen Stil dazu auf, Menschen zu jagen, deren Tatbeteiligung nicht geklärt ist. Christine Käppeler

Intersexualität

Aus zwei mach drei

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Illustration: der Freitag

Rund 100.000 Menschen in Deutschland sind intersexuell, das heißt, sie besitzen männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane oder eine Mischung aus beiden. Wer sein Kind in der Geburtsurkunde nicht gegen jede Evidenz zum Mann oder zur Frau machen will, konnte bisher nur eine Leerstelle lassen. Im Oktober urteilt das Bundesverfassungsgericht, dass diese Praxis gegen das Grundgesetz verstößt. „Die Verwehrung der personenstandsrechtlichen Anerkennung der geschlechtlichen Identität gefährdet (…) die selbstbestimmte Entwicklung“, argumentiert es unter anderem in der Urteilsbegründung. Bis Ende 2018 hat der Gesetzgeber nun Zeit, um eine Neuregelung zu schaffen. Christine Käppeler

Kunstmarkt

Bedingt meisterhaft

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Illustration: der Freitag

450 Millionen Dollar bietet ein anonymer Käufer im November bei Christie’s für das Gemälde Salvator Mundi, womit der Preis des bisher teuersten je verauktionierten Kunstwerks (Picassos Femmes d’Alger) um 271 Millionen übertroffen wird. Anfang Dezember outet sich das Kulturministerium von Abu Dhabi als Käufer des Christus-Porträts, das bald schon in der neu eröffneten Louvre-Filiale des Emirats hängen soll. Christie’s pries es großmundig als „der letzte da Vinci“ an, dabei ist umstritten, ob das Gemälde tatsächlich aus der Hand des Meisters stammt. Einige Merkmale deuten darauf hin, dass es sich in Wahrheit um ein drittklassiges Werk aus da Vincis Werkstatt handelt. Christine Käppeler