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Glaube, Lüge, Hoffnung

Das wohl bekannteste Kapitel in Jean-Paul Sartres heute nahezu unlesbarem Schinken Das Sein und das Nichts handelt von der mauvaise foi, von Unaufrichtigkeit. Um das Phänomen zu fassen, beschreibt Sartre verschiedene Situationen: eine Dame beim Flirt, die charmiert, ohne eindeutige Absichten zu hegen; einen Kaffeehauskellner, der nur spielt, Kaffeehauskellner zu sein; einen „Champion der Echtheit“, wie es in der ersten Übersetzung hieß; einen Homosexuellen, der meint, er sei irgendwie auch nicht homosexuell.

Sartre schrieb jenen Text Anfang der 40er Jahre, unter dem Eindruck von Faschismus und Stalinismus. Das Kapitel über die Unaufrichtigkeit lässt Leserin und Leser jedoch verwirrt zurück, denn Sartre zeigt, dass auch die Ehrlichkeit im Kern unaufrichtig ist, und bevor er die Frage bea…

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