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Listige Fallen

Isabelle tut etwas, das sich für moderne Kinoheldinnen eigentlich nicht gehört: Sie weint oft. Enttäuschungen, Kränkungen und Blessuren pariert man heute in aller Regel streitbarer. Aber die Heldin von Claire Denis’ neuem Film ist nah am Wasser gebaut. Die Liebe spielt der Künstlerin um die Fünfzig übel mit. Also vergießt sie stille, verschwiegene Tränen, die deren Verursacher vielleicht noch nicht mal bemerken.

Das ist keine drollige Verzweiflung wie in handelsüblichen Rom-Coms. Isabelles (Juliette Binoche) Tränen sind eine körperliche Reaktion, was bei der Regisseurin, die ein eminent physisches Kino dreht, immer auch eine moralische Dimension besitzt. Sie misstraut den Worten, weshalb bei ihr stets die Körper beredt und wahrhaftig sein müssen. Indem Isabelle ihre Verletzbarkeit offen…

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