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The week

from 30. until 6. December 2017

Eurogruppe

Portugal übernimmt

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Foto: Getty Images

Ist das ein Trippelschritt auf dem Weg zu einer anderen Euro-Politik? Oder nur ein bisschen Schminke auf der hässlichen Fratze der Austerität? Vom 13. Januar an wird sich zeigen, was der nun zum Chef der Eurogruppe gewählte sozialdemokratische Finanzminister Portugals, Mário Centeno (Foto), ausrichten kann in einem Gremium, dessen Entscheidungsfindung weitgehend fern der Öffentlichkeit stattfindet. Dann übernimmt mit ihm einer, der in Lissabon die Abkehr vom aus Brüssel und Berlin diktierten Spar- und Privatisierungskurs eingeleitet hat. Centenos Vorgänger Jeroen Dijsselbloem scheidet aus dem Amt, weil seine Sozialdemokraten zu Hause in Holland dem Exitus nahe sind. Sebastian Puschner

Stuttgart 21

Unterirdisch teuer

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Beim Hauptstadtflughafen BER ist es der Brandschutz, beim Bahnprojekt Stuttgart 21 sorgt das Anhydrit für eine Kostenexplosion. Kommt das Mineral mit Wasser in Berührung, sprengt es alles weg, auch Tunnelverkleidungen aus Beton. Das jüngste Gutachten rechnet damit, dass der Bahnhof mindestens 7,6 Milliarden Euro kosten wird und frühestens Ende 2024 fertig wird. Dreifache Kosten, drei Jahre mehr Bauzeit – lohnt sich das noch oder lassen wir das, fragt sich die Bahn. Am 13. Dezember berät der Aufsichtsrat über die Fortsetzung des Projekts. Laut Gutachten würde ein Abbruch der Bauarbeiten sieben Milliarden Euro kosten und wäre damit teurer als der Weiterbau. Martina Mescher

Honduras

Zweiter Putsch?

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Foto: Getty Images

Nachdem es nach den Präsidentschaftswahlen Ende November zunächst so aussah, als würde der rechte Amtsinhaber Hernández (Foto) gegen seinen linken Herausforderer Nasralla verlieren, holte der amtierende Präsident überraschend auf und rief so Kritiker auf den Plan, die nun von Wahlbetrug sprechen. „Die regierende Nationalpartei zählt so lange, bis das Ergebnis passt“, sagte Nasralla. Durch Ämterpatronage sicherte sich Hernández eine eigentlich verbotene zweite Amtszeit. Manche nennen es einen erneuten Putsch, nachdem bereits 2009 der demokratisch gewählte Präsident Zelaya vom Militär aus dem Amt gedrängt worden war. Der Konflikt kostete bereits mehrere Leben. Dorian Baganz

G20-Aufarbeitung

Im Morgengrauen

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Foto: Imago

Am Dienstagmorgen fand in acht Bundesländern eine Razzia im großen Stil statt, Privatwohnungen und linke Szenetreffs wurden durchsucht. Es geht um den Verdacht des Landfriedensbruchs am Hamburger Rondenbarg, wo es am Morgen des 7. Juli zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Anti-G20-Demonstranten kam. Es waren auch Videos von diesem Einsatz, die eine Debatte über Polizeigewalt auslösten, 14 Demonstranten stürzten bei der Flucht vor der Polizei von einem Gerüst und verletzten sich zum Teil schwer. Dass die Polizei ähnlichen Ermittlungseifer an den Tag legt, wenn es darum geht, eigenes Fehlverhalten aufzuarbeiten, kann man zurzeit nicht behaupten. Martina Mescher

Argentinien

Die Verurteilten

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Foto: Getty Images

Im größten Prozess der Landesgeschichte sind 48 ehemalige Militärs verurteilt worden. 34 Jahre nach Ende der Diktatur ging es um das Verschwindenlassen von 789 Menschen wie Jose Luis Cabezas (Foto), die in der einstigen Marine-Mechanikerschule ESMA ermordet wurden. Dort war das größte Folter- und Haftzentrum untergebracht. Von den Verurteilten wurden 29 zu lebenslangen, die übrigen zu Haftstrafen zwischen acht und 25 Jahren verurteilt. Es ging dabei auch um die „Todesflüge“, bei denen Inhaftierte betäubt aus Flugzeugen in Río de la Plata und Atlantik geworfen wurden. Menschenrechts- und Hinterbliebenenorganisationen zeigten sich zufrieden. Es gab sechs Freisprüche. Leander F. Badura