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The week

from 22. until 28. November 2018

NS-Raubkunst

Verlorene Zeit

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Foto: imago/Sepp Spiegl

1998 unterschrieben 44 Staaten, darunter auch Deutschland, die Washingtoner Erklärung. Sie verpflichteten sich darauf, Kunstwerke, die während der NS-Zeit beschlagnahmt oder unter Zwang verkauft worden waren, ausfindig zu machen und zu restituieren. Wie zäh dieser Prozess in Gang kam, wurde auf der Fachkonferenz „20 Jahre Washingtoner Prinzipien: Wege in die Zukunft“ diese Woche im Berliner Haus der Kulturen der Welt deutlich. Bisher habe man allenfalls zehn Prozent aufgearbeitet, mahnte Ronald S. Lauder, der Präsident des World Jewish Congress, an: „Wir brauchen 100 Prozent.“ Der wichtigste Schritt wäre nach wie vor, dass alle Museen ihre Bestände öffentlich machen. Christine Käppeler

Nachruf

Ein großer Träumer

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Foto: AFP/Getty Images

Sein Ideal von Kino sei die Kathedrale – ein Ort des Versammelns, an dem man gemeinsam einen Traum träumt. Dabei war Bernardo Bertolucci, 1941 in Parma geboren, gestorben am Montag in Rom, ein erklärter Atheist, und zum Träumen luden seine Filme nicht gerade ein. Stets gingen sie mindestens einer herrschenden Gruppe gegen den Strich. Nicht immer so heftig wie im Fall der „skandalösen“ Sexszenen von Der letzte Tango. Aber sei es die Kritik am Faschismus in Der große Irrtum oder die im Klassengegensatz geschilderte Geschichte Italiens in 1900 – Bertolucci ging nie konform mit gängigen Ideologien. Weshalb seine Filme immer wieder neu abstoßen oder besser noch: sich entdecken lassen. Barbara Schweizerhof

Türkei/Russland

Gas für Erdoğan

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Foto: Bulent Kilic/AFP/Getty Images

Nachdem eine 1.800 Kilometer lange Trasse auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlegt worden ist, kann Gazprom ab Ende 2019 jährlich 31,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas an die Türkei liefern. Dies gab das russische Unternehmen in Moskau bekannt. Damit nimmt das zwischen den Präsidenten Putin und Erdoğan ausgehandelte Projekt Turk Stream Gestalt an, eine Alternative zur Pipeline South Stream, die 2014 am Widerstand in der EU gescheitert war. Die Türkei will das russische Gas nicht nur für den eigenen Energiehaushalt nutzen, sondern denkt an einen Transfer nach Europa. Für Abnehmer wäre eine Möglichkeit gefunden, den kostspieligen Transit über die Ukraine zu vermeiden. Lutz Herden

Brasilien

Verdächtige Gelder

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Foto: Sergio Lima/AFP/Getty Images

So schnell kann das Image eines Anti-Korruptions-Fighters dahin sein. Brasiliens Oberstes Wahlgericht kreidet dem designierten Präsidenten Bolsonaro (Foto) an, er habe seine Kampagne womöglich mit gut einer Million Dollar aus illegalen Spenden kofinanziert. Es gebe für diese Gelder keine ausgewiesenen, nur anonyme Quellen, schreibt des Portal amerika21. Der ultrarechte Bolsonaro gewann am 28. Oktober das Stechen um die Präsidentschaft mit 55,1 Prozent der Stimmen gegen Fernando Haddad, den Bewerber der Arbeiterpartei, der auf 44,9 Prozent kam. Das Wahlgericht nimmt u. a. daran Anstoß, dass die Geldkollekte auf digitalem Wege stattfand, sodass Spendenquittungen fehlen. Lutz Herden

Seehofer

Perfide Plakate

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Foto: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Wer aus Deutschland in sein „Herkunftsland“ freiwillig zurückkehren will, soll finanziell unterstützt werden: An den Plakaten des Bundesinnenministeriums kommt man als Passant derzeit kaum vorbei. Die Kampagne ist perfide. Umfragen zufolge möchte nicht einmal jeder zehnte Syrer langfristig in Deutschland bleiben. Bei der Rückkehr sind weniger finanzielle Gründe das Problem als vielmehr die Tatsache, dass sich die Lage in den Herkunftsländern kaum irgendwo verbessert hat. Aber an wen richtet sich die Kampagne eigentlich? An die Geflüchteten, die als Zielgruppe gar nicht direkt adressiert werden? Der populistische Kurs unter Seehofer legt anderes nahe. Josa Zeitlinger