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Tausendmal telefoniert

Rosa getöntes Abendlicht umgibt den Ausgang der Metrostation im Osten von Kiew. Doch verliert es immer mehr an Kraft, so dass die vielen Gestalten oben im Freien kaum voneinander zu unterscheiden sind. Ein Bettler schüttelt ein paar Münzen in einem Pappbecher, Straßenmusiker spielen den Soundtrack des Abends, und ein Kioskbesitzer reicht dünnen Kaffee durch die Luke seines Ladens, als ein ausgedienter Kleinbus vorfährt, um Passagiere aufzunehmen. Der Platz vor dem Bahnhof wirkt wie ein Mikrokosmos der ukrainischen Gesellschaft und der für sie typischen Stimmungen – fiebrig, rastlos, depressiv, chaotisch, verwirrt. Auch Wolodymyr Ischtschenko wartet an der Bushaltestelle, später, während unseres Gesprächs, wird er sagen, ein Soziologe wie er müsse stets versuchen, die Menschen zu beobach…

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