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Epik, komm raus

Wer derzeit das sogenannte politische Theater besucht, erlebt nicht selten eine schlaffe Welterklärungsshow. Umso erfreulicher fallen jene Stücke auf, die sich der Logik des allzu Plakativen und Erwartbaren entziehen. So etwa Daniel Kehlmanns grandioses Drama Die Reise der Verlorenen – ein Text, der auf den ersten Blick so gar nicht typisch für den Autor ist. Denn statt ein Spiel aus Wahrheit und Fiktion zu betreiben, was zu seinen liebsten Finessen zählt, führt er uns zurück zu einem historischen Ereignis, das subtil, aber unverkennbar ein Licht auf die Gegenwart wirft.

Erzählt wird die Geschichte des 1939 nach Kuba ausfahrenden Schiffs St. Louis. Unter den Passagieren befinden sich über 900 deutsche Juden. Die Fahrkarte in die Ferne stellt für die meisten die letzte Rettung dar. Als da…

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