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The week

from 31. until 6. November 2019

SED-Politbüro

Letztes Aufgebot

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Foto: Getty Images

Egon Krenz kommt von einem Treffen mit Michail Gorbatschow am 1. November in Moskau mit dem Bescheid zurück, dass die UdSSR kaum etwas für das ökonomische Überleben der DDR tun könne. So beginnt am 8. November die 10. ZK-Tagung der SED in düsterer Stimmung. Zunächst tritt das gesamte Politbüro zurück. Übrig bleibt ein 14-köpfiges Rumpfgremium, über das erstmals nicht im Block abgestimmt wird. Vertreten sind Neumitglieder wie Hans Modrow, der Wirtschaftspolitiker Wolfgang Rauchfuß sowie die Krenz-Vertrauten Herger und Willerding. Begleitet wird die Tagung von steten Demonstrationen der Ostberliner Parteibasis vor dem ZK-Gebäude am Werderschen Markt. Lutz Herden

DDR-Theaterverband

Neuanfang, aber wie?

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Foto: Imago Images

Der Theaterverband hat ausgedient, sagt Albert Hetterle, Intendant des Ostberliner Maxim-Gorki-Theaters, in einer Vorstandssitzung. Man solle ihn auflösen, sich stattdessen um eine unabhängige Gewerkschaft Kunst kümmern. Die sei nötig, da alle Theater ihre Ensembles vor sozialem Aderlass schützen müssten, wenn Subventionen entfielen. Junge Theaterleute plädieren hingegen dafür, einen „Unabhängigen Theaterverband“ (UTV) zu gründen, um nicht von einem „unüberschaubaren Apparat überrollt“ zu werden. Der Bertolt-Brecht-Experte Ernst Schumacher tritt leidenschaftlich dafür ein, den Neuanfang „innerhalb der alten Strukturen“ nicht gänzlich abzuschreiben. Lutz Herden

Grenzöffnung

„Sofort, unverzüglich“

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Foto: Ullstein

Noch ist die neue Reiseregelung nicht vom DDR-Ministerrat verabschiedet, da drückt Generalsekretär Krenz am zweiten Tag der 10. ZK-Tagung Günter Schabowski als dem SED-Sprecher den auf zwei Seiten zusammengefassten Entwurf in die Hand: „Gib das bekannt, das wird ein Knüller für uns.“ Schabowski ist in Ostberlin auf dem Weg ins Internationale Pressezentrum und verliest dort gegen 19 Uhr die Mitteilung, dass künftig „Privatreisen nach dem Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ beantragt und kurzfristig erteilt werden könnten. Auf die Frage, ab wann das gültig sei, gibt es die Antwort: „Sofort, unverzüglich.“ Lutz Herden

Westberlin

Pfiffe für Kohl

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Foto: picture alliance/imageBROKER

Während sich an den Grenzübergängen Heinrich-Heine- und Wollankstraße Autoschlangen nach Westberlin wälzen, rufen für den Nachmittag des 10. November CDU und SPD zur Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus. Willy Brandt sagt, das Zusammenrücken der Deutschen verwirkliche sich anders, „als es die meisten von uns erwartet haben“. Keiner solle in diesem Moment so tun, als wüsste er genau, wie die Menschen beider Staaten in ein neues Verhältnis zueinander gerieten. Die Rede von Kanzler Kohl geht in einem Pfeifkonzert unter, ebenso der Gesang des Deutschland-liedes. Als ein Vertreter der rechtsradikalen Republikaner auftreten will, schallt ihm „Nazis raus“ entgegen. Lutz Herden

Bulgarien

Kettenreaktion

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Foto: Ullstein

In Sofia tagt Anfang November eine KSZE-Umweltkonferenz, als Proteste gegen die Regierung einsetzen. Dazu aufgerufen hat der Verein Ekoglasnost, um auf umweltschädliche Staatsprojekte aufmerksam zu machen. Als die Polizei Aktivisten verhaftet, führt das zu einer Kettenreaktion, die die KP-Führung nicht unberührt lässt. Außenminister Mladenow zwingt Parteichef Schiwkow zum Rücktritt. Am 10.11. schließlich verkündet Premier Atanassow, das Politbüro habe Schiwkows Antrag angenommen, ihn „von seinen Ämtern zu entbinden“. Der Entmachtete wird noch 1989 aus der Bulgarischen KP verbannt und Mitte Januar 1990 wegen Korruption verhaftet. Lutz Herden