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The week

from 24. until 30. October 2019

Denkmal

Wolfs Vermächtnis

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Foto: Klaus Winkler/Picture Alliance/dpa

„Es geht ein Ruck durch das Land“, sagt Ex-Geheimdienstgeneral Markus Wolf, als er in einer NVA-Einheit bei Potsdam ein Denkmal für seinen Bruder Konrad einweiht. Es erinnert an den 1982 verstorbenen Regisseur und langjährigen Präsidenten der Akademie der Künste. Bildhauer Werner Stötzer hat für den Gedenkort ein lebensgroßes Halbrelief aus hellem Sandstein mit zwei Männerakten geschaffen. Es wird umgeben mit einem Metallgebilde aus lasiertem Stahl des Künstlers Jan Skuin. Sein Bruder sei immer Anwalt der Zivilcourage gewesen, so Markus Wolf. Jetzt, in den Zeiten des Umbruchs, könne man verstehen, weshalb er sich für die Menschen dieses Staates eingesetzt habe. Lutz Herden

SED-Politbüro

Schürers Kassensturz

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Foto: Imago Images

Die Lage sei ernst, aber nicht völlig hoffnungslos, so Gerhard Schürer, Chef der Staatlichen Plankommission, beim Kassensturz zur DDR-Ökonomie Ende Oktober vor dem SED-Politbüro. Auch wenn erfreulich sei, dass es beim Realeinkommen zwischen 1980 und 1988 einen Anstieg von 4,4 Prozent gegeben habe, sei das Nationaleinkommen doch nur um 4,2 Prozent gewachsen. Dadurch bleibe der Warenfonds hinter der Kaufkraft zurück. Was die Führung um Egon Krenz besonders beunruhigt, sind Schulden bei westlichen Gläubigern von 49 Milliarden Valutamark. Um zahlungs- und kreditfähig zu bleiben, muss deshalb entschieden mehr exportiert werden – zu Lasten des Binnenmarktes. Lutz Herden

Schwarzer Kanal

Bauernopfer Schnitzler

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Foto: Klaus Winkler/Picture Alliance/dpa

Das DDR-Fernsehen soll seine „Wende“-Kompatibilität nachweisen. Ein Bauernopfer muss her. Es findet sich am 30. Oktober mit der Sendung Der schwarze Kanal, die Karl-Eduard von Schnitzler seit 1961 28 Jahre lang dem Westfernsehen gewidmet hat. Dieses wurde in Wort und Bild zitiert und zwischendurch vom Moderator kommentiert bzw. karikiert. Damit sich die DDR-Zuschauer von den Gebrechen der anderen Seite überzeugen konnten, bevor sie selbst in den Genuss derselben kamen. Als Mitte der 1990er der Osten deindustrialisiert ist und vier Millionen ihren Arbeitsplatz eingebüßt haben, ist Schnitzlers Kanal lange verschlossen. Wer am Falschen spart, den bestraft das Leben. Lutz Herden

Reisegesetz

Mit oder ohne Visum?

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Foto: Imago Images

Noch immer verlassen Tausende die DDR, vorrangig in Richtung Prag. Daraufhin kündigt die dortige Regierung an, wenn Ostberlin nichts unternehme, werde man von tschechoslowakischer Seite aus die Grenze schließen. Da auch im Inneren der Druck wächst, beauftragt SED-Generalsekretär Krenz Ministerpräsident Stoph, unverzüglich ein neues Reisegesetz ausarbeiten zu lassen. Im Entwurf, der Ende Oktober vorliegt, wird allen DDR-Bürgern prinzipiell Reisefreiheit zugestanden, doch soll der Staat die Ausreisevisa erteilen. Das Projekt stößt auch deshalb auf wenig Gegenliebe, weil offen bleibt, ob bei Reisen ins westliche Ausland DDR- gegen Valutamark getauscht werden können. Lutz Herden

Sowjetunion

Sinatra-Doktrin

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Foto: Getty Images

Was Moskau zu tun gedenke, wenn man in Osteuropa Verbündete verliere, weil dort der Sozialismus zur Disposition stehe, wird Gennadi Gerassimow vom US-Kanal NBC gefragt. Der Sprecher von Außenminister Schewardnadse antwortet, man könne die sowjetische Maxime als Sinatra-Doktrin bezeichnen: „I did it my way“ („Ich habe es auf meine Weise getan“), das heiße, jedes Land entscheide selbst über seinen Weg. Die Zeit der begrenzten Souveränität der Alliierten sei vorbei. Das gelte auch für die DDR. Noch An-fang 1989 hatte Gorbatschow in seinem Buch Perestroika geschrieben, die Geschichte entscheide die deutsche Frage in 50 Jahren. Lutz Herden