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The week

from 26. until 1. November 2017

Türkei

Frei dank Schröder

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Foto: Getty Images

Nach mehr als drei Monaten Untersuchungshaft wurde der deutsche Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner (Foto) von einem türkischen Gericht auf freien Fuß gesetzt. Steudtner war im Juli zusammen mit neun anderen Mitarbeitern von Amnesty International festgenommen, und wegen des Vorwurfs, eine bewaffnete Terrororganisation zu unterstützen, inhaftiert worden. Nach Auskunft des Auswärtigen Amts hatte der Ex-Bundeskanzler und nunmehrige Aufsichtsratsvorsitzender der Nord-Stream-Pipeline Gerhard Schröder beim türkischen Präsidenten Erdoğan für Steudtner interveniert. Zehn weitere deutsche Staatsbürger werden in der Türkei weiterhin aus politischen Gründen festgehalten. Pepe Egger

Österreich

Schwarz-Blau

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Foto: Getty Images

Wahlsieger Sebastian Kurz (Sticker links) könnte seine ÖVP in eine gemeinsame Regierung mit der FPÖ führen. Nach Sondierungen mit allen Parteien bittet er nun offiziell zu Koalitionsverhandlungen. Zuvor hat der designierte Kanzler den Freiheitlichen einen „klaren Veränderungswillen“ attestiert. Offenbar bezieht sich das auf mehr EU-Freundlichkeit von FPÖ-Chef Strache (Sticker rechts), der ein für allemal gewissen Öxit-Versuchungen entsagt haben soll. Da Österreich von Juli bis Dezember 2018 den EU-Ratsvorsitz übernimmt, erscheint das ebenso unverzichtbar wie ein Ausstieg der FPÖ aus der Fraktionsgemeinschaft mit dem französischen Front National im EU-Parlament. Ob Kurz darauf besteht, ist noch offen. Lutz Herden

Kuba

Auf ins Netz

Havanna und fünf Provinzen sollen noch 2017 von einem schnellen Internet profitieren. Durch die Telekommunikationsfirma (Etecsa) würden vor allem private Anschlüsse modernisiert, schreibt das Lateinamerika-Portal amerika21. 30.000 Haushalte bekämen bessere Datenleitungen. Ein Pilotprojekt startete bereits Ende September in der Altstadt Havannas und erfasste schrittweise andere Regionen. Laut amerika21 erhielten einige hundert Haushalte neben einem Router auch die Zusage, das Internet 30 Stunden kostenlos nutzen zu können. Allerdings lassen sich die Einrichtungskosten nur in frei konvertierbaren Pesos (CUC) begleichen und belaufen sich im Schnitt auf 14 CUC. Lutz Herden

Loveparade

Endlich vor Gericht

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Foto: Imago

Im Dezember soll in Düsseldorf der Strafprozess zum Duisburger Loveparade-Unglück vom 24. Juli 2010 beginnen. Bei der Massenpanik gab 21 Tote und mehr als 650 Verletzte. Im Anschluss begann ein jahrelanger juristischer Streit um die Schuldfrage und darum, ob diese vor einem Strafgericht verhandelt werden soll. Mehr als sieben Jahre später liegt nun ein neues Gutachten vor, das massive Mängel bei der Planung des Großereignisses feststellt und damit die Anklage stützt. Auf der Anklagebank werden aber nicht Duisburgs damaliger CDU-Bürgermeister oder der Veranstalter der Loveparade sitzen, sondern sechs Mitarbeiter der Stadt und vier Mitarbeiter des Veranstalters. Martina Mescher

Niedersachsen

Rot-Schwarz

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Foto: Getty Images

Seit der Bundestagswahl gilt die Große Koalition eigentlich als Auslaufmodell. In Zeiten der AfD stärke das die radikalen Ränder, lautet die gängige Analyse. In Niedersachsen könnte es nun aber darauf hinauslaufen, obwohl sich SPD und CDU dort im Wahlkampf als entschiedene Gegner präsentierten. Noch entschiedener fällt bei der FDP allerdings die Ablehnung einer Ampel-Koalition aus, während sich Niedersachsens Grüne nicht für Jamaika erwärmen können. Deshalb sondiert nun die SPD mit der CDU als Juniorpartner. Für die CDU ist das zwar eine ungewohnte Rolle, aber bei der einzigen GroKo, die es jemals in Niedersachsen gab, stellte auch schon die SPD den Ministerpräsidenten. Martina Mescher