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The week

from 21. until 27. October 2021

Sudan

Der nächste Putsch

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Foto: Getty Images

Wieder einmal hat sich die Hoffnung erledigt, in einem arabischen Land mit autokratischer Tradition könnten Militärs und zivile Politiker gemeinsam demokratische Verhältnisse sichern. Sudans Armee hat zu Wochenbeginn Premier Abdalla Hamdok gestürzt und seine Regierung aufgelöst. Der Putsch beendet einen Burgfrieden, der nach dem erzwungenen Abgang des Langzeit-Präsidenten Omar al-Bashir im April 2019 innere Konflikte einhegen und für eine Übergangszeit von 39 Monaten halten sollte, aber stets fragil blieb. Die politische Verantwortung hat General Abdel Fattah al-Burhan übernommen, der Wahlen für 2023 verspricht und auf heftigen öffentlichen Protest stößt. Lutz Herden

Tschechien

Machtvakuum

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Foto: IMAGO

Premier Andrej Babiš hat vor Tagen seinen wohl letzten EU-Gipfel hinter sich gebracht. Er will als Regierungschef abtreten, weil seine Partei ANO bei der jüngsten Wahl nicht das nötige Mandat erhielt, doch bleibt er geschäftsführend im Amt. Ein Grund dafür ist der Gesundheitszustand von Präsident Zeman, dem die Ärzte attestierten, weiterhin nicht amtsfähig zu sein. Bisher hat sich jedoch in Prag weder das neue Parlament konstituiert, noch konnte dadurch die alte Regierung zurücktreten. Erst dann wäre der Zeitpunkt gekommen, einen neuen Ministerpräsidenten zu beauftragen, ein Kabinett auszuhandeln. Diese Schritte müsste man auch ohne Zemans Erkrankung abwarten. Lutz Herden

Linkspartei

Neue, alte Fraktionsspitze

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Foto: Fabian Sommer/Picture Alliance/dpa

Kontinuität trotz Krise: Die Linke hat nach der Bundestagswahl und der Halbierung ihres Wahlergebnisses auf knapp fünf Prozent die alte Spitze der Bundestagsfraktion wiedergewählt. Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch erhielten je rund 77 Prozent; Weder der Direktmandats-Gewinner in Leipzig, Sören Pellmann (der Freitag 41/2021), noch Co-Parteichefin Janine Wissler noch der gehandelte Jan Korte waren angetreten; Korte wurde mit rund 82 Prozent als parlamentarischer Geschäftsführer bestätigt, Petra Pau, die ihr Direktmandat in Berlin-Marzahn-Hellersdorf verloren hatte, mit 92 Prozent als Bundestagsvizepräsidentin nominiert. Die Linke stellt 39 der 736 Abgeordneten. Sebastian Puschner

Cum-Ex/Cum-Cum

Raubzug ohne Ende

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Foto: IMAGO

150 Milliarden Euro: So groß ist der Schaden für öffentliche Haushalte durch Raubzüge à la Cum-Ex, wie sie Reiche und Banken seit vielen Jahren unternommen haben. Rechercheure des internationalen Netzwerks rund um Correctiv, das im Netz unter cumex-files.com publiziert, warnen: Der Betrug mit Rückzahlungen von nie bezahlten Steuern geht weiter. Bei „Cum-Cum“ werden Aktien ausländischer Anleger ins Inland verschoben, um den Fiskus zu prellen. Nur zögerlich läuft die Rückforderung der Gelder durch die Finanzbehörden. Die mutmaßliche Schonung der Warburg Bank und die Erinnerungslücken des damaligen Stadtoberhaupts von Hamburg, Olaf Scholz, lassen grüßen. Sebastian Puschner

Ausgedacht & draufgesetzt

Wurstphilosoph

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Foto: IMAGO

Uli Hoeneß (bald 70, ach herrje) tat mal wieder, was er kann. Er wetterte. Diesmal gegen Vegetarier und Veganer, die nichts übrig haben für eine der vier Millionen Nürnberger Bratwürste, die die Hoeneß-Fabrik täglich raushaut. Gesprächspartnerin – die Frau, die sich das Gelaber gegen Honorar anhörte – war Katrin Müller-Hohenstein, was insofern passte, weil sie ja die ist mit dem „inneren Reichsparteitag“. Nürnberg eben. Jedenfalls warnte Uli, dass den Veganern ihr Fraß noch übel aufstoßen werde. Jähzornig könne man davon werden, vorbestraft und gelegentlich ergriffen von weinerlichem Selbstmitleid. „Und ist das nicht ekelhafter als vergammelter Schweinebauch?“ Karsten Laske