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Schwarzweißfilmerei

Am 10. Juli 1973 fährt Olga Hepnarová in Prag vorsätzlich mit einem Lastwagen in eine Gruppe von Menschen. Es gibt acht Tote. In ihrem Bekennerbrief schraubt sich die 22-Jährige in eine Opfererzählung hinein, erklärt gar, ihre Lage sei schlimmer als die einer schwarzen Amerikanerin, tausend Mal schon sei sie „gelyncht“ worden. Das Schreiben, das in seiner Rhetorik modellhaft erscheint für einen bestimmten Typ der Attentäterpsyche, schließt mit bitterem Hass: „Ich bin ein zerstörter Mensch, vernichtet von Menschen. Ich habe die Wahl: mich zu töten oder andere zu töten. Und ich habe mich entschieden ... Ich, Olga Hepnarová, Opfer Eurer Bestialität, verurteile Euch zum Tode durch Überfahren. Ich verkünde dabei, dass für mein Leben ein paar Menschen noch zu wenige sind. Acta non verba.“ 197…

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