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The week

from 19. until 25. October 2017

Afghanistan

Todesfalle Moschee

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Foto: Getty Images

Ein schiitisches Gotteshaus wird in Kabul zum wiederholten Mal zum Schauplatz eines Infernos. Am 20. Oktober ist es die Imam-Saman-Moschee im Viertel Dascht-e Bartschi, auf die ein Selbstmordangriff verübt wird. Zunächst ist von 39 Todesopfern und über 50 Verletzten die Rede. Die Moschee wird größtenteils von Angehörigen des Volkes der Hazara aufgesucht, nach den Paschtunen und Tadschiken die drittgrößte ethnische Gruppe in Afghanistan. Die Taliban hatten die Minderheit in der Zeit des von ihnen zwischen 1996 und 2001 errichteten Kalifats als Feind betrachtet und verfolgt. Zum Anschlag von Dascht-e Bartschi hat sich inzwischen die IS-Filiale in Afghanistan bekannt. Lutz Herden

Italien

Zwei gegen Rom

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Foto: Getty Images

Bei den Volksabstimmungen in den norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien hat sich eine Mehrheit für mehr Eigenständigkeit ausgesprochen. Und dabei geht es vor allem um Geld. Vorangetrieben wurden die Referenden von der rechtspopulistischen Lega Nord, zu deren Feindbildern schon immer das „diebische Rom“ und die „faulen Süditaliener“ gehörten. Die Lombardei und Venetion gehören zu den reichsten Regionen des Landes, die Lega Nord stellt in beiden die Regionalpräsidenten. Sie werfen der Zentralregierung in Rom vor, die Steuereinnahmen aus dem Norden in den armen Süden umzulenken und wollen ihre Abgaben an Rom nun um die Hälfte kürzen. Martina Mescher

Kolumbien

Mörderbande

Es ging gegen die „Peripherie der Gesellschaft“, wie es im Sprachgebrauch der „12 Apostel“ hieß. Die rechtsradikale Todesschwadron wollte nach 1990 Kriminelle, Drogensüchtige sowie Helfer der Guerilla im Norden Kolumbiens einem „gerechten Schicksal“ zuführen. Wie viele Menschen diesem Wahn zum Opfer fielen, soll nun durch einen Prozess geklärt werden, der gegen den Großagrarier Santiago Uribe (Foto) geführt wird. Wie das Lateinamerika-Portal amerika21 berichtet, ist der Bruder von Ex-Präsident Alvaro Uribe (2002 – 2010) des Mordes und des Paramilitarismus angeklagt. Die „12 Apostel“ sollen allein in der Region Antioquia von 1990 bis 2000 etwa 400 Bauern getötet haben. Lutz Herden

Armut

Rolltreppe abwärts

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Foto: Imago

„Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“, mit diesem Slogan bestritt die CDU den Bundestagswahlkampf. Dass mehr als jedes fünfte Kind hierzulande in Armut lebt, wurde dabei geflissentlich ausgeblendet. Wie viele Kinder in armen Verhältnissen leben, ist schon lange bekannt. Eine neue Bertelsmann-Studie hat nun die Entwicklung von 2011 bis 2015 untersucht und festgestellt, dass Familien kaum Chancen haben, sich aus der Armut zu befreien. Das Armutsrisiko für Alleinerziehende steigt bereits seit 2005 kontinuierlich. Wer arm ist, wird es bleiben, lautet das Fazit. Und das ist ein Armutszeugnis für die CDU, die seit zwölf Jahren dafür sorgt, dass sich daran nichts ändert. Martina Mescher

Tschechien

Der brave Milliardär

Die Riege regierender EU-Skeptiker in Osteuropa wird aufgefüllt. Zu Jarosław Kaczyński, Beata Szydło und Viktor Orbán stößt nach seinem Sieg bei der Parlamentswahl der Polit-Outlaw Andrej Babiš (Foto) als designierter tschechischer Premier. Gewonnen hat die Protestpartei ANO (Aktion unzufriedener Bürger) ihre gut 30 Prozent eher in den ländlichen Regionen, wo die EU- und Euro-Vorbehalte von Babiš geteilt werden. Der Milliardär sieht sich als Kämpfer gegen das Establishment und den Klientelismus, was einigermaßen absurd klingt. Babiš war als Gründer seines Unternehmens Agrofert, als Vizepremier und Finanzminister stets Teil der von ihm angeprangerten korrupten Elite. Lutz Herden