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Gezielt verirren

Henry David Thoreaus Walden ist ein Buch der Metamorphosen. Hier ein Schmetterling, der aus der Larve schlüpft, dort eine Strumpfbandnatter nach der Häutung. Thoreau beschreibt auch, wie sich ein Sterntaucher zum Mausern zurückzieht und seine Federn abstößt, sodass neue nachwachsen können. Nur so bleibt das Federkleid geschmeidig. Die ganze Natur, legt Thoreau nahe, sei ein ständiges Sich-Häuten, doch den Menschen fehle oft die Einbildungskraft für ihre Selbstverwandlung. Deswegen entwickelt er eine wandelbare, variationsreiche Sprache, die einen Stoffwechsel bildet mit dem, was sie beschreibt. Demokratie als politische Lebensform, betont der Philosoph Stanley Cavell in seiner Thoreau-Lektüre, sei angewiesen auf eine solche Offenheit der Sprache, sonst verkümmere sie zu Dogmatismus. Wen…

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