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The week

from 10. until 16. October 2019

Opposition

Rock gegen Gewalt

Schon im September verlesen DDR-Rockmusiker vor ihren Auftritten eine gemeinsame Resolution, die sich gegen die erstarrten Verhältnisse im Land richtet. Mitte Oktober nun zeigen sich Gruppen wie Pankow, Karat und Wilderer, dazu Tamara Danz (Foto), Gina Pietsch, Toni Krahl, Dirk Zöllner und andere in der Ostberliner Erlöserkirche beim „Konzert gegen Gewalt“. Vor 3.000 Zuhörern soll es ein Zeichen der Solidarität mit den Demonstranten sein, die am 6./7. Oktober verhaftet wurden. Kurt Demmler bringt Teile seines Programms „Gute Macht, Freunde“ zu Gehör, mit dem er zuletzt häufig ausgeladen worden ist. Zum Schluss singen alle auf der Bühne im Altarraum Give Peace a Chance. Lutz Herden

SED-Politbüro

Honeckers Sturz

Am 17. Oktober will Erich Honecker wie üblich die wöchentliche Sitzung des Politbüros eröffnen, als ihn Ministerpräsident Stoph unterbricht. „Erich, gestatte ...“, dann verzeichnet das Protokoll den Satz: „Ich stelle den Antrag, den Genossen Honecker von seiner Funktion als Generalsekretär zu entbinden ...“ Und so geschieht es. Selbst die Honecker-Vertrauten Mittag, Mielke und Herrmann wenden sich ab. Am nächsten Tag wird das Zentralkomitee die Ära Honecker definitiv beenden und sich die Lüge gefallen lassen, dass statt von einem erzwungenen Abgang von einem Rücktritt aus Gesundheitsgründen die Rede ist. Nachfolger Krenz fehlt so von Anfang an die Glaubwürdigkeit des Erneuerers. Lutz Herden

Dresden

Gruppe der 20

Jeder Weg beginne mit einem Tropfen auf den heißen Stein, sagt Bischof Joachim Reinelt am Abend des 17. Oktober in der Dresdner Kathedrale – auch ein gesellschaftlicher Dialog, den die katholische Kirche unterstütze. Der ist in Dresden weiter fortgeschritten als anderswo in der DDR. Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer hat bereits die „Gruppe der 20“ als Gesprächspartner anerkannt. Die sieht sich nicht als zufällige Verbindung besorgter Bürger, sondern als Mittler zwischen Staat und Bevölkerung. Verlangt wird eine neue Wahlpraxis, zunächst aber Redefreiheit in der Stadtverordnetenversammlung. Berghofer reagiert mit dem Verweis auf Grenzen eines Kommunalpolitikers. Lutz Herden

Vereinigte Staaten

Ende der Geschichte

In der New York Times ist erstmals die Formulierung vom „Ende der Geschichte“ zu lesen. In einem Text über Francis Fukuyama wird zum Ausdruck gebracht, dass der US-Politologe das „Chaos“ in Osteuropa als Indiz für den bevorstehenden Triumph des Westens deute. Sollte der eintreten, sei man vom „Ende der Geschichte“ nicht mehr weit entfernt. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet Fukuyama für den Thinktank RAND Corporation und als Berater für die US-Regierung. Er prophezeit den weltweiten Siegeszug für liberale Demokratie und freie Marktwirtschaft, zu denen es nun keine Alternative mehr gebe. Nicht allein Europa, auch alle anderen Kontinente würden von dieser „Evolution“ erfasst. Lutz Herden

Donnerstag-Gespräch

Fernsehen im Wandel

Am 19. Oktober um 20.00 Uhr kommt das erste Donnerstags-Gespräch im DDR-Fernsehen mit 25,7 Prozent auf eine beachtliche Einschaltquote. Das Prinzip: Zuschauer befragen Wissenschaftler und Politiker. Bei der Premiere geht es um den Führungsanspruch der SED, den Zustand der DDR und die Reisefreiheit. Zwischen 18.00 und 21.00 Uhr gibt es gut 50.000 Anfragen, wovon 60 direkt beantwortet werden. Am 5. Oktober hat es bereits einen ersten Versuch für ein derartiges Forum gegeben, doch erreicht den Moderator kurz vor Sendebeginn die Order: Gesprächsstopp für alle Gegenwartsprobleme. Auf Nachfrage heißt es: Das ist ein Befehl des SED-Generalsekretärs. Lutz Herden