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The week

from 3. until 9. October 2019

Ungarn

Mutation

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Foto: Getty Images

Die ungarische KP will zur Partei neuen Typs werden, aber anders, als sich das einst Lenin vorstellte. Sie mutiert von der Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP) zur Sozialistischen Partei (USP). Auf einem Parteikongress in Budapest setzen sich damit die Reformer um Staatsminister Imre Pozsgay und Premier Miklós Németh (Foto) durch. Nur so – sind sie überzeugt – habe die Partei innerhalb des sich im Land herausbildenden pluralistischen Systems noch eine Chance. Auch der Marxismus-Leninismus und die Prinzipien des Demokratischen Zentralismus werden ausquartiert. Prominente Verlierer sind der bisherige Parteichef Károly Grósz und János Berecz, der Führer des marxistischen Flügels. Lutz Herden

Leipzig

Gewaltverbot

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Foto: dpa

Die Sekretäre der SED-Bezirksleitung Leipzig, Jochen Pommert, Kurt Meyer und Roland Wötzel, lancieren und unterschreiben einen Appell zur Gewaltlosigkeit. Hintergrund ist die für den Abend des 9. Oktober erwartete Montagsdemonstration in der Messestadt mit voraussichtlich 70.000 Teilnehmern. Die drei Funktionäre zählen mit Kapellmeister Kurt Masur, Kabarettist Bernd-Lutz Lange und Pfarrer Peter Zimmermann zu den „Sechs von Leipzig“, die sich für Besonnenheit im Umgang mit den Protesten einsetzen. Sie tun das auch deshalb, weil es in Ostberlin am 6./7. Oktober Übergriffe der Polizei gegeben hat. Egon Krenz stellt sich als SED-Sicherheitssekretär hinter die „Initiative der Sechs“. Lutz Herden

Bertolt Brecht

Probelauf

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Foto: Ullstein Bild

Im Suhrkamp Verlag erscheinen als Faksimile-Druck Aufzeichnungen von Bertolt Brecht, geschrieben als Tagebuch No. 10 über den Sommer 1913. Verleger Siegfried Unseld spricht von einem Dokument, das an die Zeit erinnere, die den damals 15-Jährigen zum Dichter werden ließ. Brechts Einträge reflektieren die Arbeit an seinen ersten Gedichten, so schreibt er am 21. Mai 1913 über den Versuch Heimat: „Das die Probe einer Ballade. Ich beherrsche den Stil noch nicht.“ Bei der Kur mit den Eltern in Bad Steben zitiert er Frau Veeh, eine Bekanntschaft der Mutter, die ihm sagt, sie habe „das Gefühl, Eugen, als ob Sie einmal ein ganz Großer unseres Volkes werden würden“. Lutz Herden

SED-Politbüro

Lebenszeichen

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Foto: dpa

Die SED-Führung rafft sich nach kontroverser Debatte und Wochen der Sprachlosigkeit zu einer Erklärung des Politbüros auf. Erstmals wird auf die massenhafte Abwanderung aus der DDR eingegangen. Es lasse die Parteiführung nicht gleichgültig, „wenn sich Menschen, die hier arbeiten und leben, von unserer Republik lossagen. Die Ursachen für diesen Schritt mögen vielfältig sein. Wir müssen und werden sie auch bei uns suchen.“ Doch hinkt das Papier der Zeit und dem sich abzeichnenden Umbruch hinterher. Verbindliche Aussagen zu einem Politikwandel fehlen. Formuliert wird lediglich: „Die Probleme der weiteren Entwicklung des Sozialismus in der DDR lösen wir selbst ...“ Lutz Herden

DDR-Fernsehen

Rückschlag

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Foto: dpa

Erich Honecker trifft sich mit den Vorsitzenden der vier Blockparteien, um zu betonen, er lasse sich von der kritischen Lage der DDR nicht beeindrucken. Die Aktuelle Kamera, Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, muss sich an diesem 13. Oktober noch einmal der Order von Agitationssekretär Herrmann unterwerfen und im alten Stil berichten. Das heißt, über die Begegnung wird eine Agenturmeldung von zwölf Minuten verlesen. Die klar kürzere journalistische Version wird untersagt. Dabei hatte es zu Beginn der Woche erstmals Bildberichte von der Leipziger Montagsdemonstration und ein Interview mit einem Taktstraßenleiter in Berlin zur Ausreisewelle gegeben. Lutz Herden