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Theater als Skeuomorphismus

Nun gehört das So-Tun-als-ob zum Kerngeschäft jedes Theaters. Mal mehr, mal weniger, auf unterschiedlichen Ebenen. Und es kann wunderschön sein und ergreifen und – nicht zuletzt – verletzen.

Nehmen wir zum Beispiel den Auftritt von Kathrin Angerer als Glafira Petrowna in Frank Castorfs jüngster Inszenierung: Dostojewskis humoreske Erzählung Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett am Zürcher Schauspielhaus. Nach gut drei Stunden Spieldauer stakst die einstige Volksbühnenikone und nun einzige Protagonistin des Abends kokett von rechts nach links über die Bühne zu einer Veranda. Dort hängt seit Beginn des Abends Damenwäsche zum Trocknen. Die Angerer greift sich zwei fleischfarbene Seidenstrümpfe, setzt sich, streift sich die Strümpfe über, blickt einmal großäugig ins Publikum, als woll…

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