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Verdächtig zärtlich

Lenins Ideen sind unsterblich.“ Der Sinnspruch auf Holz lehnt schräg gegen die Wand und über den Bildrand hinaus, dahinter ein Bücherkabinett, Frauenbeine stehen in eleganten Schuhen davor, die Dame scheint keine Notiz von der Erinnerung zu nehmen. Vielleicht wird umdekoriert, vielleicht der Frühjahrsputz 1965, vielleicht ein Buchladen, ein offizielles Büro. Jedenfalls ein fragiler Moment: Lenins Ideen sind ganz profan abgehängt, seine Unsterblichkeit ist gerade irgendwie im Weg. Das Bild hat Antanas Sutkus in Vilnius aufgenommen, um es dann lange in seinem gewaltigen, überquellenden Archiv zu vergraben. Solche Aufnahmen einem Publikum vorzuführen, kam nicht in Frage.

Heute geht das. Nur müssen die Fotografien mit anderen Schwierigkeiten ringen: Die Bilder von Antanas Sutkus, sicher der …

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