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The week

from 19. until 25. September 2019

Kaschmir

Normalisierung?

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Foto: Yawar Nazir/Getty Images

Wenn Indiens Oberstes Gericht auf Unabhängigkeit pocht, muss es entsprechend handeln. Also haben seine Richter die Regierung von Premier Modi aufgefordert, den über das Kaschmirtal zwar inoffiziell, aber mit drastischen Maßnahmen verhängten Ausnahmezustand zu lockern, wenn nicht aufzuheben. Dem wollte sich die Exekutive nicht entziehen, sodass zunächst Telefon und Internet wiederhergestellt und die Schulen geöffnet wurden, doch bleiben Hunderte muslimische Politiker wie Ex-Chefminister Farooq Abdullah in Haft. Militante Aktivisten rufen dazu auf, sich von einer vorgetäuschten Normalisierung nicht blenden zu lassen. Die „Hinduisierung“ der Region schreite voran.

Lutz Herden

Venezuela

Maduro lässt wählen

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Foto: Matias Delacroix/Getty Images

Es soll Bewegung in erstarrte Fronten kommen. Daher hat die Regierung mit einigen Oppositionsparteien verhandelt und eine Rückkehr der 50 Abgeordneten ihrer Vereinigten Sozialistischen Partei (PSUV) in die bisher nicht anerkannte Nationalversammlung versprochen. In dieses Parlament wurden Ende 2015 mehrheitlich Maduro-Gegner gewählt. Zu deren Führungsfigur avancierte als selbsternannter Interimspräsident Juan Guaidó. In Abstimmung mit dem Papst will nun Staatschef Maduro die Legislative neu wählen lassen. Angekündigt ist zudem die Freilassung von 58 politischen Gefangenen, darunter Parlamentsvize Zambrano von der sozialdemokratischen Acción Democrática.

Lutz Herden

Thomas Cook

Hedgefonds profitieren

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Foto: Feti Belaid/AFP/Getty Images

Berichte in britischen Medien werfen ein besonderes Licht auf die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook: Demnach sei eine Rettung mitunter an der Blockade von Investoren gescheitert, die sowohl über Anleihen an Thomas Cook als auch über Aussichten auf Profit im Fall einer Insolvenz des Konzerns verfügten – mittels Credit Default Swaps, die sich als Kreditausfallversicherungen oder aber Wettscheine auf den Kollaps eines Schuldners bezeichnen lassen. Derweil suchen deutsche Tochtergesellschaften von Thomas Cook nach Lösungen, um eine Insolvenz zu vermeiden, allen voran die Fluggesellschaft Condor, die einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt hat.

Sebastian Puschner

Sigmund Jähn

Erster Deutscher

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Foto: Picture Alliance/AP Photos

Wahrlich ein später Triumph für die DDR, aber der waidwunden ostdeutschen Seele wird aus gegebenem Anlass gerade manche Streicheleinheit zuteil. In den Nachrufen für den am 21. September verstorbenen Kosmonauten Sigmund Jähn fehlt nirgends der Hinweis, er sei der erste Deutsche im Kosmos gewesen. Genauso klangen die DDR-Medien am 26. August 1978, als Jähn in der Sowjetkapsel Sojus 31 gen Himmel flog. Da wurde unentwegt intoniert: Der erste Deutsche im Weltall ist ein DDR-Bürger. Wird Jähn gar postum verziehen, General der NVA gewesen zu sein? Die um die DDR vergrößerte BRD hatte sich 1990 als zu kleinkariert erwiesen, um ihn in ihre Streitkräfte zu übernehmen.

Lutz Herden

Großmanöver in Russland

Zeichen an die NATO

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Foto: imago images/Xinhua

Nicht nur der Einsatzraum vom Eis- bis zum Kaspischen Meer verrät etwas von der Dimension der begonnenen Militärübung „Zentr-2019“, deren Bedeutung weit über Russland hinausgeht. Wie schon im Vorjahr ist auch diesmal Chinas Volksbefreiungsarmee mit 1.500 Soldaten prominent vertreten. Hinzu kommen Verbände Kasachstans, Kirgistans und Tadschikistans. Bemerkenswert ist die Teilnahme der verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan an einem Großmanöver, das auch als Zeichen an die NATO gedacht ist. Geübt wird nicht nur Anti-Terror-Kampf, sondern ebenso die Verteidigung der südlichen und nördlichen russischen Peripherie, inklusive des Seeweges im arktischen Raum.

Lutz Herden