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Vom Förster

Dass ich aus einer kosmopolitisch orientierten Familie stammte, war wohl der Grund, weshalb mir der Grundschullehrer für einen öffentlichen Vortrag von Brechts Friedenslied die Strophe mit den schwierigsten Wörtern zuteilte: „Friede den Kindern Koreas / Und den Kumpeln an Neiße und Ruhr / Friede den New Yorker Schoffören / Und den Kulis von Singapore“. Ich fand die Zeile mit den New Yorker Schoffören am bemerkenswerten, weil sie am pauschalen Feindbild USA rüttelte, mit dem wir gewöhnlich konfrontiert wurden.

In meinem Elternhaus spielte Weltliteratur eine viel größere Rolle als die deutsche, zumal mein Vater – Spezialist für französische Aufklärung – meinte, dass sich unter Besatzungsbedingungen weder in der BRD noch in der DDR eine bedeutende Literatur entwickeln könne. Allenfalls die…

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