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The week

from 6. until 12. September 2018

Venezuela

Verschwindendes Volk

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Foto: Getty Images

Beim Treffen 13 lateinamerikanischer Staaten in Quito fiel häufig der Begriff „Migrationskrise“. Der Grund: Zehntausende strömen derzeit wegen der Megainflation aus Venezuela in die Nachbarländer, nicht nur Venezolaner, auch viele Kolumbianer, die einst in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren, um der Not in ihrer Heimat zu entkommen. Ecuador wollte vorerst nur noch Migranten mit gültigem Reisepass aufnehmen, was ein Gericht in Quito wieder stoppte. Für die Regierung Venezuelas existiert keine Fluchtbewegung bedenklichen Ausmaßes. Sie geht davon aus, dass seit 2015 600.000 Menschen das Land verlassen haben, nicht 1,5 Millionen, wie von den UN festgestellt wurde. Lutz Herden

Wohnen

Mieten gen Decke

Die FDP wittert einen „sozialistischen Irrweg“, die CDU bremst, das Institut der deutschen Wirtschaft warnt: Sollte ein „Mietenstopp“, wie ihn die SPD nun vorschlägt, Realität werden, so könnten Vermieter dies über „hohe Abstandszahlungen für Küchen und Einbauschränke“ zu kompensieren versuchen. Solcher Widerstand sollte für eine sozialdemokratische Partei Bestätigung genug sein, eine gute Idee zu verfolgen. Doch noch steht diese nur in einem Papier der SPD-Chefin Andrea Nahles und des Hessen-Wahlkämpfers Thorsten Schäfer-Gümbel – und nicht etwa im zahmen Mieterschutzgesetz, das die SPD gerade mit der Union im Kabinett verabschiedet hat. Sebastian Puschner

Schweden

Schmelzende Sozis

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Foto: Getty Images

Die rechtsnationalen Schwedendemokraten holen bei der Parlamentswahl mit 17,6 Prozent einen geringeren Stimmenanteil als erwartet. Aber sie können für die Regierungsbildung das Zünglein an der Waage sein. Die Soziademokraten sind mit 28,4 Prozent zwar nicht so abgestürzt wie befürchtet und bleiben stärkste Partei, doch ein erneutes Minderheitskabinett mit den Grünen (4,3 Prozent) erscheint unwahrscheinlich. Dennoch will Regierungschef Löfven auch die nächste Regierung führen. Er wird sich dazu mit der stärksten Partei des bürgerlichen Lagers, der Moderaten Sammlungspartei (19,8 Prozent), arrangieren müssen – ob in einer Koalition oder durch Tolerierung, bleibt offen. Lutz Herden

Argentinien

Stürzender Peso

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Foto: Getty Images

Es kommt dem Eingeständnis einer gescheiterten Wirtschaftspolitik gleich. Mauricio Macri muss gegenüber der Bevölkerung einräumen, dass der akute Verfall des Peso zu einem Notstand geführt habe. Wie das Nachrichtenportal amerika21 berichtet, habe Argentiniens Präsident erklärt, es sei nötig, „Anstrengungen zu unternehmen, um den Haushalt des Staates auszugleichen“. Macri erkennt an, dass bei einem Wertverlust der Nationalwährung gegenüber dem Dollar von 35 Prozent im August mit wachsender Armut zu rechnen sei, doch könne das seine Regierung nur in Maßen beeinflussen. Der Handelskrieg zwischen den USA und China lasse sein Land leider nicht unberührt. Lutz Herden

Insolvenz

Gefallener Stern

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Foto: dpa

Wikipedia vermerkt zu Karl Dietrich „KD“ Wolff neben Geburtsdatum und -ort, dass er SDS-Vorsitzender war und sich als Verleger historisch-kritischer Editionen Hölderlins, Kafkas, Kleists, Walsers, Trakls und Kellers einen Namen gemacht habe. Irgendwo zwischen Engagement, Klassik und Moderne erschienen im Frankfurter Verlag Stroemfeld, der 1970 als „Roter Stern“ gegründet wurde, auch Theweleits Männerphantasien oder Kurzecks Romane. Damit ist es wohl vorbei, denn Wolff musste nun Insolvenz beantragen. Wo Bibliotheken immer seltener Klassikereditionen anschafften, auch so erklärte Wolf das Aus, hätten es unabhängige Verlage besonders schwer. Das ist beunruhigend. Mladen Gladić