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The week

from 2. until 8. September 2021

Syrien / Türkei

Wasser als Waffe

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Foto: Delil Souleiman/AFP/Getty Images

Eine „Brotkrise“ wie im Vorjahr soll es 2021 nicht geben für die Kurden im Nordosten Syriens. Doch die Aussichten, dass das gelingt, sind schlecht. Der Weizenanbau in dieser Region leidet an einer extremen Trockenheit, weil der Euphrat kein Wasserspender mehr ist. Das liegt nicht nur an einer anhaltenden Dürreperiode, sondern ebenso an einem System von Dämmen in der Türkei, wo der Fluss entspringt. Dadurch ist die Abflussmenge statt der seit 1987 vertraglich zugesicherten 500 Kubikmeter pro Sekunde auf derzeit 200 reduziert. Aus Äckern werden Wüsten. Darunter leiden besonders die syrischen Kurdengebiete, deren Autonomie Ankara seit Langem ein Dorn im Auge ist. Lutz Herden

Kölner Stadtarchiv

Noch 30 Jahre restaurieren

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Foto: Imago/Robert Michael

Rund 18 Regalkilometer Archivgut, darunter jahrhundertealte Urkunden und Akten, verschwanden unter einer Betonstaubwolke, als das Historische Stadtarchiv in Köln im März 2009 krachend in sich zusammenfiel. Zwei Anwohner kamen durch den Einsturz ums Leben. Auslöser waren Bauarbeiten für die Erweiterung der Kölner U-Bahn. Zwölfeinhalb Jahre später eröffnete nun feierlich der Neubau – ohne Verzögerung und im Kostenrahmen, wird betont. Die Arbeit, die jetzt noch vor den Restaurator*innen liegt, ist indes immens: Frühestens in 30 Jahren sei das Archiv wieder voll funktionsfähig, heißt es seitens des Stadtarchivs. Vorausgesetzt, 200 Personen bleiben dauerhaft im Einsatz. Christine Käppeler

Afghanistan

Regierungschef Baradar

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Foto: Picture Alliance/Sefa Karacan

Wie der Präsidentenpalast in Kabul für die Einführung der künftigen Regierung hergerichtet wird, zeigte am Sonntag der Nachrichtenkanal Tolonews. Und wusste noch mehr zu berichten. Danach soll Abdul Ghani Baradar neuer Regierungschef werden, bisher Chef der Taliban-Mission in Doha und an den Verhandlungen mit den USA über deren Truppenabzug beteiligt. Einen Kabinettsposten erhält ebenfalls Mullah Mohammed Jakub, Sohn des verstorbenen Taliban-Gründers Mullah Omar. Vorgesehen sind 25 Ressorts, ergänzt durch einen Beirat mit zwölf muslimischen Gelehrten. Im Oktober dann soll sich die traditionelle Große Ratsversammlung mit Verfassungsfragen beschäftigen. Lutz Herden

Ausgedacht & draufgesetzt

Lok-Down

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Foto: Armando Babani/AFP/Getty Images

Die Taliban posieren muskelprotzend, und die Deutsche Bahn muss bluten. Claus Weselsky, oberster Warlord der Aufständischen mit paschtunischem Stammesdenken, ruft aus, was jeder der Rebellen fühlt: „Fuck the establishment!“ Die Konzerngeneräle dagegen hoffen, „dass es bei Verhandlungen Fortschritte gibt. Aber es ist nicht leicht, sind wir ja doch nur klapprige Marionetten des Kapitals.“ Nun aber naht Rettung. Annegret Kramp-Karrenbauer (oder wie Sandra Maischberger sie letztens nannte: Ann-Kathrin Kramer) soll als Mediatorin die Knarren, pardon, den Karren aus dem Dreck ziehen. Kann das gelingen? Ist es gar AKKs Start in ihre neue Karriere als Schlafwagenschaffnerin? Karsten Laske

Bildung

Ganztags spielen

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Foto: Andreas Rentz/Getty Images

Auf den allerallerletzten Metern der Legislaturperiode haben sich Bund und Länder auf etwas geeinigt, was schon seit 2018 im Koalitionsvertrag steht: den Rechtsanspruch von Grundschulkindern auf einen Ganztagsschulplatz. Im Juni hatte der Bundesrat ein Gesetz abgelehnt, weil der Bund den Anspruch zwar beschlossen, die Kosten dafür aber den Ländern aufgebürdet hatte. Stellt sich heraus: Bildung ist Ländersache, die Finanzierung von Bildung aber nicht alleine. Nun hat der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat eine Teilung der Kosten beschlossen. Allerdings sind die Kids, die davon etwas haben, größtenteils noch ungeboren: Der Anspruch greift ab 2026. Pepe Eger