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Chill den Traum der Solidarität

Tun wir, als ob nichts wäre. Machen wir es wie Pablo Heras-Casado, der spanische Dirigent mit dem Feeling für deutsche Klassik und Romantik und nehmen Beethovens 9. Sinfonie, als ob sich in zweihundert Jahren nicht Berge von Schrott schlechter und falscher Deutungen auf ihr abgelagert und sie längst unter sich begraben hätten, Deutungen von Musikern wie von Musikwissenschaftlern.

Sogar die Nazi-Regierung schmückte sich mit der menschheitlichen Größe dieses Werks. Vorläufiger Gipfel historischer Verdauungskünste eines sich exakt im Beethoven-Jahr der Langlebigkeit seiner Kolonialgeschichte bewusst werdenden Bürgertums: die Berliner Aufführung im November 1989. Der alte Leonard Bernstein dirigierte zum kulturellen Abschluss einer „friedlichen Revolution“, die im Sinn Beethovens allerdings …

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