Loading

Tagebuch

Liebe Leserinnen und Leser,

als wir vor drei Jahren ein Lastenrad erwarben, verspürte ich ein Unbehagen: „Da sitzt du nun auf diesem Insignium des linken Spießers“, dachte ich anfangs, wenn ich die Tochter zur Kita in Berlin-Kreuzberg fuhr. Erst versuchte ich, diesen Gedanken durch einen BMX-orientierten Fahrstil zu entkräften; zum Glück kam niemand zu Schaden. Dann griff ich zu Punkrock-Stickern.

Doch erst in der südbadischen Heimat verstand ich, dass jener Stadt-Land-Kulturkampftopos, mit dem die strauchelnde Union nun gegen Lastenräder polemisiert, seinerseits Produkt einer Berliner Polit-Bubble ist: Dort unten sind die Dinger nicht nur gefühlt häufiger. Sie haben auch eine ganz andere, gediegen-patente Aura. Im Debattenaufmacher gehe ich diesem zum Scheitern verurteilten Polarisierungsv…

To read the full article / issue please login with your Freitag-ID. If you're not a subscriber of Freitag digital please choose one of our offers below.