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Mut zur Demut

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22. August 2021, ein Markt in Kabul: Auf den ersten Blick scheint sich hier kaum etwas verändert zu haben

Foto: UPI Photo/IMAGO

Denk ich an Afghanistan, belagern mich standardisierte Vorurteile. Ich bin gehalten, dem Stereotyp von einem Rückfall in die Steinzeit zu folgen, die Taliban als vormoderne Barbaren zu schmähen, ihre Versöhnungsangebote zu bezweifeln und über ihre Rachsucht zu spekulieren, viel über westliches Versagen zu meditieren, weniger die unermessliche Schuld zu benennen, die ein 20 Jahre währendes Besatzungsregime am Hindukusch auf sich geladen hat. Ich fühle mich gedrängt, die Luftbrücke aus Kabul für eine humanitäre Großtat zu halten, statt zu klären, ob hier eine Ersatzhandlung stattfindet, die den Totalausstieg von USA und NATO wie den Totalausfall der bishe…

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