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Tagebuch

Liebe Leserinnen und Leser,

wie fern Floskeln wie „die Lage der Frauen in Afghanistan“ manchmal klingen, und wie schnell sie Realität werden: Meine Freundin kam vergangene Woche im Urlaub verstört an den Küchentisch, „meine Freundin Paniz aus Kabul ist jetzt in Leipzig, aber sie bekommt ihren Mann nicht raus“, sagte sie. „Bis Kabul fällt, dauert es Wochen“, sagten wir anderen, Möchtegern-Expertinnen für alles.

Fünf Tage später war Kabul erobert und das blasse Gesicht von Paniz Musawi Natanzi erschien auf meinem Bildschirm, tiefe Augenringe, Ringen um Konzentration. Es fiel mir schwer, professionell zu bleiben, doch ich blieb es. Und sie auch. Die Politikwissenschaftlerin analysiert differenziert das Scheitern von 20 Jahren westlicher Intervention in Afghanistan – und die krasse soziale Ungl…

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