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Himmlische Höllenmusik

Was haben Salome, die Tochter des Herodes, und Poppea, die zweite Gattin Kaiser Neros, gemeinsam? Die beiden sitzen gerade im Triangel in der Wiener-Philharmoniker-Gasse, lassen sich den Riesling aus der Wachau schmecken, und sämtliche Glocken des erzkatholischen Salzburg klingen in ihren Ohren, als wär’s eine Verlängerung des Festspieljubels.

Ihre Weltkarrieren sind nun unaufhaltbar. Die Litauerin Asmik Grigorian (Salome) und die Bulgarin Sonya Yoncheva (Poppea) überwältigen in den Titelrollen zweier extrem versauter Frauen. Dagegen sind die mächtigsten Männer machtlos. Für diese Form des Feminismus ist die Opernbühne seit jeher wie geschaffen. Leidenschaft –bürgerlich: Liebe – fegt alles hinweg, was Gesellschaft und Moral einfordern.

Die sexuelle Raserei der Salome kostet Jochanaan de…

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