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Vergoren im Burgund

Wenn man das Thema Wein ohne den dazugehörigen Rausch denkt, sind diverse Analogien möglich. „Das ist wie mit der Liebe – beides braucht Zeit“, sagt Hauptfigur Jean in Cédric Klapischs Der Wein und der Wind, denn diesen Zusammenhang lernt er in den 115 Minuten. Klapisch selbst denkt Wein und Film zusammen: „Der Dreh gleicht der Ernte, der Schnitt der Vinifizierung.“ Womit haben wir es also zu tun: mit einem Reifeerzeugnis? Einem französischen Spitzenprodukt? Oder, wie die Presseagentur meint, mit einem „filmischen Hochgenuss“?

Der Wein und der Wind hat einen Korken. Und das nicht nur dramaturgisch, weil er keinen Spaß an den eigenen Konfliktszenarien hat, sondern auch ideologisch. Er setzt so wohlfeil die Zyklen der Natur mit einem heteronormativen und nationalistischen Lebensentwurf gl…

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