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The week

from 3. until 9. August 2017

Großbritannien

Freizügigkeit passé

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Foto: Getty Images

Erneut werden signifikante Meinungsunterschiede im Kabinett May offenbar. Kaum hat Schatzkanzler Hammond angedeutet, dass für eine Übergangszeit die Arbeitnehmerfreizü-

gigkeit mit der EU nach dem Brexit erhalten werden könne, da dementiert schon ein Sprecher der Premierministerin derartige Absichten. Handelsminister Fox (Foto) sekundiert: Wer das vorhabe, der missachte die Botschaft des Referendums vom 23. Juni 2016. Damit ist für die nächste Runde der Brexit-Gespräche in der zweiten Augusthälfte für Klarheit gesorgt. Weil aber kaum damit zu rechnen ist, dass sich die Briten völlig abschirmen, muss eine andere Regelung die bisherige Freizügigkeit ersetzen – nur welche? Lutz Herden

Umwelt

Kaltes klares Wasser

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Foto: imago

Leitungswasser hat hierzulande einen guten Ruf. Inzwischen muss aber einer aufwendige Aufbereitung dafür sorgen, dass man es bedenkenlos trinken kann. Weil zu viel Gülle und Mineraldünger auf den Feldern verteilt werden, ist das Grundwasser nitratbelastet. Offiziell weist ein Drittel der Messstellen zu hohe Werte auf, nun steht fest, die Situation ist kritischer als angenommen. Der Bauernverband hat Warnungen stets als Panikmache abgetan. Und das neue Düngerecht, das Anfang 2017 verabschiedet wurde, hilft kaum gegen das Nitrat-Problem. Als Konsequenz könnte Trinkwasser bald zum Luxusgut werden: Die Wasserversorger sprechen von bis zu 62 Prozent Preissteigerung. Martina Mescher

Vereinte Nationen

Del Ponte gibt auf

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Foto: Getty Images

Die Schweizer Juristin Carla Del Ponte (Foto) will nicht länger zu den in Syrien begangenen Kriegsverbrechen ermitteln und zieht sich vom Vorsitz der entsprechenden UN-Kommission zurück. Es fehle an politischem Rückhalt, um Ergebnisse vorlegen zu können. Del Ponte beklagt es als Missstand, dass der Sicherheitsrat nicht wie bei Jugoslawien und Ruanda Sondertribunale mit eigenem Ermittlungsauftrag und den nötigen Finanzen eingesetzt habe. Auch sei der Krieg von Anfang an zu schematisch gedeutet worden, indem man die Assad-Anhänger als „die Bösen“ und deren Gegner als „die Guten“ eingestuft habe. Inzwischen bestehe das Anti-Assad-Lager nur noch aus „Extremisten und Terroristen“. Lutz Herden

Studie

Gras gibt es gratis

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Foto: Getty Images

Dass die Stadt Münster zum Vorreiter wird, wenn es um die Legalisierung von Cannabis geht, hätte ihr niemand zugetraut. Gut, Holland liegt nicht weit entfernt und man fährt dort auch gerne Fahrrad, ansonsten ist das Münsterland katholisch und politisch tiefschwarz. Im Unterschied zum platten Land regiert in der Universitätsstadt aber eine rot-grüne Minderheit. Die CDU stimmte denn auch als einzige Partei gegen das Modellprojekt, mit dem die Stadt die Folgen des Kiffens erforschen möchte. 100 Probanden sollen nun wöchentlich kostenlos bis zu zwei Gramm Cannabis bekommen. 245.000 Euro will man für das Gratis-Gras ausgeben, als „Beitrag zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes“. Martina Mescher

Jemen

Cholera breitet sich aus

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Foto: imago

600.000 Cholera-Fälle erwartet das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bis Jahresende. Wassersysteme, Stromversorgung und Spitäler seien durch die saudischen Luftangriffe so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie faktisch nicht mehr existierten – dann seien Epidemien wie jetzt die logische Folge, so IKRK-Präsident Peter Maurer nach einer Jemen-Reise. Derzeit richte man Notfallzentren für Cholera-Kranke ein, die weitgehend vom Roten Kreuz unterhalten würden. Dazu hat das IKRK sein Jemen-Budget für 2017 von 50 auf 100 Millionen Euro aufgestockt. Auch exponiert sich das Gremium politisch durch den Aufruf an alle Kriegsparteien, keine zivile Infrastruktur mehr anzugreifen. Lutz Herden