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Schreiben nach Gehör

Wer Eduard Engels Deutsche Stilkunst nur als Lehrbuch oder Nachschlagewerk für den besseren Ausdruck benutzt, hat seine Größe und wahre Absicht nicht verstanden. Es ist das schönste und zugleich genaueste Porträt der deutschen Sprache, das wir besitzen. Von den kleinsten Einheiten, den Wörtern, bis zu Satz, Periode, Rede und Schrift entsteht das Bild einer reichen, geschmeidigen, unterscheidungsstarken, aber auch nicht ungefährdeten Sprache – und dieses Bildnis ist bezaubernd schön, weil der Autor nicht nur als souveräner Kenner, sondern auch als Liebender schreibt. An ihrem „unerschöpflichen Wortreichtum“, ihrer „ganz einzigen Freiheit von Wortstellung und Satzbau“ erfreut er sich und lässt auch auf die Zeichensetzung nichts kommen, ist sie doch „für das leichte Verstehen notwendig“.

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