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The week

from 29. until 4. August 2021

Nordkorea/Südkorea

Keine Funkstille mehr

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Foto: Getty Images

Ein Briefwechsel zwischen den Präsidenten beider Staaten ging dem Ereignis voraus. Moon Jae-in für den Süden und Kim Jong-un für den Norden einigten sich, dass ihre Regierungen nach 14 Monaten Funkstille wieder telefonieren können. Die Hotline soll bei Konflikten eine Eskalation verhindern, vor allem mögliche militärische Missverständnisse ausschließen. Das rote Telefon in Seoul und Pjöngjang war entscheidend den Gipfeltreffen zu verdanken, die es 2018 bzw. 2019 zwischen Kim Jong-un und US-Präsident Trump gegeben hatte. Verhandelt wurde erst in Singapur, später in Hanoi über das nordkoreanische Atomprogramm, ohne dass ein Kompromiss gefunden wurde. Lutz Herden

Hitzewelle

Südeuropa brennt

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Foto: IMAGO

Europäische Touristinnen, die an der türkischen Küste in Schlauchboote steigen, um sich vor den Feuerwalzen zu retten, die sich ihrem Hotel nähern. Rauchvergiftung statt Stranderholung an der Adria in Italien, Stromausfälle wegen heißlaufender Klimaanlagen auf Rhodos – eine erbarmungslose Hitzewelle setzt Einheimischen und Urlaubern im Süden Europas zu. In Griechenland hält sich die regierende konservative Nea Dimokratia zugute, dass es infolge von Verbesserungen beim Katastrophenschutz bislang nicht zu Todesopfern gekommen sei, anders als bei Waldbränden in Attika 2018: Mehr als 100 Menschen starben, was 2019 mit zur Abwahl der linken Syriza beigetragen hat. Sebastian Puschner

Rechtsprechung

Nazis als Namensgeber

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Foto: IMAGO

Juristische Nachschlagewerke hören hierzulande immer noch auf die Namen von NSDAP-Mitgliedern. Zum Beispiel der „Palandt“, der wichtigste Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Das Nachschlagewerk trägt seit 1938 den Namen von Otto Palandt, von 1934 bis 1943 Präsident des Reichsjustizprüfungsamts. Oder der „Schönfelder“, die Gesetzessammlung heißt so nach dem NSDAP-Juristen Heinrich Schönfelder. Beide erscheinen bei C.H. Beck. Nun kündigte der Verlag an, sich von den Nazi-Namensgebern zu verabschieden, die Werke werden umbenannt. Es sei an der Zeit. Man staunt nur, wie viel Zeit und politischen Druck der Verlag für diesen späten Schritt gebraucht. Martina Mescher

Äthiopien

Tigray-Rebellen rücken vor

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Foto: Getty Images

Dass sich das Blatt wenden würde im Krieg um die Provinz Tigray, war so nicht zu erwarten. Nachdem die Guerilla der Befreiungsfront TPLF bereits die Provinzkapitale Mekele von der äthiopischen Armee zurückerobert hat, stößt sie nun in die Nachbarregion Afar vor. Ziel der Operation ist die Fernstraße zwischen dem Hafen von Dschibuti und Addis Abeba, die wichtigste Versorgungsroute für Äthiopiens Hauptstadt. Sollte die TPLF Erfolg haben, gerät Ministerpräsident Abiy Ahmed schwer unter Druck. Er hat im November 2020 die Eroberung Tigrays befohlen und steht nun am Rand einer Niederlage. Nicht auszuschließen, dass er in dieser Lage durch einen Putsch entmachtet wird. Lutz Herden

Ausgedacht & draufgesetzt

Wunder gescheh’n

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Foto: IMAGO

Strandkorbkonzerte sind en vogue. Fans sitzen gut geschirmt gegen den lieben Nächsten wie einst der Schuster Voigt, bekannt als Hauptmann von Köpenick, im Kittchen beim Gottesdienst. Da gab es auch so gottgefällige Buchten, für jeden Sträfling eine. Gegen diese, solche und alle Inhaftierungen protestiert nun die singende Philosophin Nena, die ihre Ansagen direkt aus dem Universum empfängt. Sie hat „die Schnauze voll“ von Corona-Einschränkungen und beruft sich auf gesundes Volksempfinden, pardon, ihren „gesunden Menschenverstand, der die Panikmache in alle Einzelteile zerlegt“. Das Imperium schlägt um sich und zurück! Yoda hätte es nicht besser sagen können. Karsten Laske