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30 Anzeigen, ein Schweigen

Dora M. schildert mit klarer Stimme und sachlichen Worten den Moment, als die Stimmung umkippte, den Moment, in dem für sie aus einem Gespräch eine Grenzüberschreitung wurde. Als sie sich Detlef H. anvertraute, stand sie vor dem Nichts. Ihr Mann habe sie geschlagen, ihr Geld gestohlen und sei verschwunden, erzählte sie ihm. Da saß sie, blank, allein mit drei Kindern, im fünften Monat schwanger und kurz vor einem Auszug, ohne neue Wohnung in Sicht.

Nach einer Weile habe sie gespürt, dass Detlef H. gar nicht richtig zuhörte. Und das war, sofern Dora M.s Schilderungen wahr sind, der Kipp-Moment. „Warum haben Sie Ihr Kind nicht abgetrieben?“, habe er plötzlich gefragt. „Geben Sie es doch zur Adoption frei.“ Und er fuhr fort: Sie könne dann als Prostituierte arbeiten, „im Escortservice. Sie …

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