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Für die Verschwundenen

Der Saal ist brechend voll. Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Studenten, Politiker, Bürger. Bei einer Podiumsdiskussion in Mexiko-Stadt stellt die designierte Innenministerin Olga Sánchez im Kabinett des Präsidenten Andrés Manuel López Obrador ihre Agenda für die nächsten sechs Jahre vor. Ihre wichtigsten Zuhörerinnen säßen in der dritten Reihe, sagt sie und meint eine Gruppe von Frauen, die Fotos ihrer verschwundenen Kinder hochhalten. Sie sind gekommen, um zu sehen, ob die Anfang Juli gewählte linksdemokratische Regierung wirklich gewillt ist, ihnen zuzuhören. Ob ihnen der Staat endlich bei der Suche nach ihren Kinder hilft. Ob dabei keine Tabus gelten, wenn die Polizei und wer sonst noch verstrickt ist.

Teilweise wirkt es so, als würde die 71-jährige Juristin Sánchez direkt zu …

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