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1935: Draußen und drinnen

„Der Dichter gibt uns seinen Zauberberg zu lesen / was er (für Geld) da spricht, ist gut gesprochen! / Was er (umsonst) verschweigt: die Wahrheit wär’s gewesen. Ich sag: Der Mann ist blind und nicht bestochen.“ Es klingt wenig schmeichelhaft, was Bertolt Brecht 1932 in seiner Ballade von der Billigung der Welt Thomas Mann nachsagt. Gar übel nachredet? Der plebejische schmäht den bürgerlichen Dichter. Brecht hält für illusionär, was Thomas Mann an humanitärem Sendungswillen und Kulturpatriotismus aufbietet, um die Weimarer Republik vor dem aufwallenden Faschismus zu retten. Wozu sich der Dichter berufen, ja, verpflichtet fühlt. Seit Thomas Mann 1929 den Literaturnobelpreis erhalten hat, verfügt das literarische Deutschland wie zu Goethes Zeiten über einen Oberhirten, der das bürgerliche …

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