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Die Liste vor „Schindlers Liste“

Im Jahr 1965, 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, reiste der Auslandskorrespondent der israelischen Tageszeitung Haaretz, Amos Elon, durch Deutschland. Auf beiden Seiten der Mauer entdeckte Elon Versuche, die Vergangenheit zu entsorgen, die sich nur in ihren Strategien unterschieden. Während die Betriebsamkeit des Wirtschaftswunders in Westdeutschland die Verdrängung förderte, machte – wie der Historiker Nicolas Berg unlängst konstatierte – Elon in Ostdeutschland „eine weit verbreitete Haltung aus, als habe sich das 'Dritte Reich' räumlich weit weg abgespielt. Hier wie dort herrschte in Bezug auf die Nazi-Jahre ein Formel-Denken vor, im Westen vor allem die Wendung von der 'Katastrophe von 1945', im Osten wiederum jener 'Parteijargon', der mit gestanzten Begriffen wie 'Junker…

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