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Sieg der Karrieristen

Als der Romanist Ottmar Ette neulich sein Buch Der Fall Jauß vorstellte, war das Berliner Centre Marc Bloch überfüllt. Kaum verwunderlich: Die NS-Vergangenheit des Hans Robert Jauß hatte nicht nur die Universität Konstanz bewegt, wo der berühmte Begründer der Rezeptionsästhetik mit seiner Antrittsvorlesung Literaturgeschichte als Provokation der Literaturwissenschaft 1967 Furore gemacht hatte. Schon 1997, nachdem erste Details über das Wirken des ehemaligen Hauptsturmführers der Waffen-SS bekannt geworden waren, sahen sich seine Schüler zu Stellungnahmen und Apologien verpflichtet. Besonders hoch schlugen die Wellen, als sich die Kunst des Falls annahm: Noch bevor die Universität Konstanz im Mai 2015 das Dossier des Militärhistorikers Jens Westemeier öffentlich machte, das Jauß’ Beteili…

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