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1976: Auf der Wippe

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Für Peter Hacks stand der Feind eindeutig im Westen

Foto: Andree/Ullstein

Beginnen wir mit einem Vorgriff. „Seneca wird bis Silvester endlich verstorben sein“, meldet der DDR-Bürger Peter Hacks im November 1977 dem Münchner Drei Masken Verlag, der in den Tagen der geteilten Welt die geschäftlichen Interessen von Hacks im Westen managt.

Gemeint ist sein Stück Senecas Tod, das 1980 uraufgeführt werden wird. Es erzählt, wie der alte römische Philosoph gesinnungstreu einst aus dem Leben schied. Kaiser Nero hatte ihm, dem Stoiker, ausrichten lassen, er solle, was seine Schriften so schön kundtun, am eigenen Leib beweisen: dass er in Würde zu sterben wisse. Seneca zeigte Haltung. Vornehm vernahm er den Befehl, ließ Badewasser in eine Wanne, schnitt sich die Adern auf. Hacks nun: „Die W…

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