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The week

from 4. until 10. July 2019

João Gilberto

Die leise Legende

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Foto: Getty Images

„O Mito“, die Legende, nannten ihn seine Landsleute. Ein starkes Wort für jemanden, der vor Lampenfieber kaum eine Bühne betrat. Wer wissen will, wie es war, den Bossa-Nova-Pionier live zu erleben, dem sei die Erinnerung des Jazzkritikers Ted Gioia an ein Konzert 1998 in San Francisco empfohlen, die er für den Guardian aufgeschrieben hat. Wohl jedem bekannt ist hingegen João Gilbertos The Girl from Ipanema, für das er 1965 einen Grammy bekam. Die Plattenfirma fand seinen leisen Singsang zunächst schlimm. Miles Davis soll später über ihn gesagt haben, er könne es gut klingen lassen, wenn er nur die Zeitung vorläse. Gilberto starb am vergangenen Samstag mit 88 Jahren.

Deutsche Bank

Small enough to fail?

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Foto: Getty Images

Mit aller Lobbymacht setzten sich die Manager der Deutschen Bank über Jahre hinweg zu Hause wie in aller Welt für eine radikale Liberalisierung des Finanzsektors ein. Die Erfüllung des Wunsches brachte die Welt an den Rande des Kollapses, ebenso die Bank selbst. Jetzt will sich das Institut wieder auf sein Geschäft mit Firmen- und Privatkunden konzentrieren, aus dem Eigenhandel mit Aktien aussteigen und die Investmentsparte eindampfen. Das hat Vorstandschef Christian Sewing am vergangenen Wochenende bekannt gegeben. Die ersten Kündigungen, etwa in London, Hongkong, Tokio und Sydney, wurden bereits vollzogen, weltweit will die Deutsche Bank 18.000 Stellen abbauen.

Paragraf 219a

Durch die Instanzen

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Foto: Imago Images

Als die GroKo Paragraf 219a reformierte, versprach sie unter anderem mehr Rechtssicherheit. Stattdessen muss man von Rechtsunsicherheit sprechen. Ein Strafverfahren gegen zwei Kasseler Ärztinnen, die auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informierten, wurde am Freitag eingestellt, mit Verweis auf die neue Rechtslage. Im Juni wurden zwei Berliner Ärztinnen hingegen zu einer Geldstrafe verurteilt, mit Verweis auf die neue Rechtslage. Das Verfahren gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel wurde an das Landgericht zurückverwiesen, wegen der neuen Rechtslage. Karlsruhe müsste es richten, aber der Zickzackkurs der Gerichte verlängert den Weg durch die Instanzen.

Femizid

Gefährlich nah

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Foto: Getty Images

2017 wurden weltweit 87.000 Frauen getötet, das ist das Ergebnis einer UN-Studie. 50.000 von ihnen wurden vom Partner, Ex-Partner oder einem nahen Familienmitglied umgebracht. Die meisten Fälle tödlicher häuslicher Gewalt gab es mit 20.000 in Asien, in Afrika waren es 19.000, auf dem amerikanischen Kontinent wurden 8.000, in Europa 3.000 Fälle gezählt. Gewalt gegen Frauen wurzele oft in stereotypen Ansichten zur autoritären Rolle des Mannes, sagt die Studie. Wer glaube, der Mann habe das Recht auf Sex oder das Recht, Frauen zu dominieren, neige eher zu Gewalt. 123 Frauen wurden 2017 in Deutschland vom (Ex-)Partner getötet. In anderen Ländern nennt man das Femizid.

Iran/USA

Mehr als 3,67 Prozent

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Foto: Imago Images

Der Iran hat damit begonnen, Uran über die im Atomabkommen von 2015 erlaubte Marke von 3,67 Prozent hinaus anzureichern. Auch eine Erhöhung auf 20 Prozent, den bis 2015 erreichten Grad, sei ohne Weiteres möglich, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Die Internationale Atomenergiebehörde hatte dem Iran immer wieder Vertragstreue attestiert. Durch den Bruch nun will Teheran insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu Beistand gegen den Wirtschaftskrieg der USA animieren, die das Atomabkommen 2018 einseitig aufgekündigt hatten. Doch aus Europa war zunächst lediglich Kritik am Vorgehen des Iran zu vernehmen.