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Ecce homo Faber

Wann immer junge Musiker etwas vortragen, müssen sie sich für ihr Alter rechtfertigen. Ist die Musik flach, wird das Klischee der verblödenden Jugend bedient. Ist die Musik groß, heißt es, es fehle an Authentizität: Kunstprodukt! Hochproduziert! Im Pressetext zum Album des 23-jährigen Sängers Faber heißt es vorab entschuldigend, er sei keiner, der über das Leben singe, ohne gelebt zu haben. Denn jeder weiß: 23, das ist noch kein Leben. Faber schreibe „wie ein 50-Jähriger“, heißt es da auch. Ein Glück. Wer will nicht 23-Jährige, die schreiben, als seien sie 50-Jährige, die über ihre Zeit als 23-Jähriger schreiben?

Da singt er also, dieser 23-jährige Zürcher, und in der Tat klingt seine Stimme, als habe er mit zwölf angefangen zu rauchen und zu trinken. 50-jährig sind seine Texte höchsten…

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