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1917: Weiße Lilien

Die russische Provinzstadt Ordynin, die „tausend Werst von wo auch immer entfernt liegt“, ist auf den Gebeinen ihrer toten Seelen errichtet, falls sich die Ratten nicht daran halten und wenig übrig lassen. Wird ein Haus niedergerissen, kommen Schädel, Lumpen, Knochen und verlorenes Inventar zum Vorschein. Neben dieser Unterwelt gibt es in Ordynin jede Menge Honoratioren wie Vater Lewkojew im Diözeseladen oder den Lehrer Blanmanshow, der für endlose Geografiestunden bekannt ist. Mehr allerdings wegen seiner Frau, die den ganzen Sommer über nackt im Haus herumläuft oder am Fenster im bloßen Hemd Obst aus ihrem Garten feilbietet. Ähnlich sittenfrei verfahren die Spirituosenhändler am Markt mit ihren Kostgängern, den Quartalssäufern, die selbstvergessen fremde Stiefel küssen, falls ihnen am…

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