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The week

from 17. until 23. June 2021

Chile

Rechte im Abwind

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Foto: Getty Images

Der Linkstrend wird bestätigt, während die Rechte weiter Boden verliert. In Runde zwei der chilenischen Regionalwahlen gewinnt die Rechtsallianz „Vamos Chile“ kein Stechen, bei dem sie mit Kandidaten antritt. Das Portal amerika21.de zitiert in seinem Bericht den Politologen Carlos Correa mit dem Satz: „Die Rechte ist in Chile zur dritten Kraft geworden.“ Im Unterschied dazu rangiert der Mitte-links-Verbund „Unidad Constituyente“ mit den Demokratischen Christen wie den Sozialisten ganz vorn und stellt künftig zehn von 16 Gouverneuren. Schon bei der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung im Mai hatten die Konservativen um Präsident Piñera eine Niederlage hinnehmen müssen. Lutz Herden

Iran

Favorit des Systems

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Foto: Getty Images

Um eine Rückkehr zu einem mit Sicherheit veränderten Atomabkommen zu ermöglichen, ist der Sieg von Ebrahim Raisi bei der Präsidentenwahl kein schlechtes Zeichen. Der künftige Staatschef ist Teil des religiösen Establishments und Vertrauter von Revolutionsführer Ali Chamenei. Was die theokratische Elite absegnet, hat Bestand. Bedingung wird sein, dass sich die USA bei den Sanktionen bewegen. Raisi kann die ökonomische Talfahrt nur aufhalten, wenn sein Land wieder zum internationalen Handel zurückkehren kann. Immerhin 17,8 Millionen Iraner haben diesen Kandidaten in der Hoffnung gewählt, dass er ihnen ein Auskommen verschafft, vom dem sich leben lässt. Lutz Herden

Bachmannpreis

Live aus dem Legozimmer

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Foto: Clara Wildberger/ORF/LST Kärnten

Für den notorischen Aufruhr beim 45. Wettlesen in Klagenfurt sorgten zwei Personalien. Der scheidende Juryvorsitzende Hubert Winkels enervierte mit seiner bildungsbürgerlichen Abschiedsrede zur Lage der Kulturkritik. Der Zürcher Juror Philipp Tingler provozierte mit seinem Recht auf Bildungsfeindlichkeit. Als klare Favoritin gewann den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis die in Teheran geborene, in Deutschland aufgewachsene Nava Ebrahimi. Sie hatte ihren Text aus dem Legozimmer ihrer Söhne vorgetragen. Vier der fünf Preise gingen an Schriftsteller*innen mit Migrationserfahrung. Freitag-Autor Timon Karl Kaleyta gewann den 3sat-Publikumspreis. Katharina Schmitz

Linke

Schampus für alle

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Foto: Imago Images

Eigennutz ist angesichts aktueller Umfragewerte nicht ausgeschlossen, die Basis soll sich den Wahlabend im September ja schönsaufen können: Die Linke hat bei ihrem Parteitag am Wochenende beschlossen, die Abschaffung der Schaumweinsteuer zu fordern, und ist damit auf Seite eins der Bild gelandet, inklusive Angaben zur Höhe (1,02 Euro pro Flasche) und Herkunft der Steuer – sie sollte 1902 die Kriegsmarine finanzieren. Rotkäppchenkonsum solle heute keine Frage der Klasse mehr sein. Das könnte sich erledigen, würden weitere Punkte des Wahlprogramms Realität: ein garantiertes Mindesteinkommen von 1.200 Euro pro Monat, 13 Euro Mindestlohn, ein bundesweiter Mietendeckel. Sebastian Puschner

Ausgedacht & draufgesetzt

Update A. B.

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Foto: Getty Images

Fundstück der Woche ist die aktualisierte Vita der grünen Kanzlerinkandidatin. Ein Thinktank feilte daran, bis alle Erfindungen passten. Über die frühe Kindheit unserer Heldin heißt es: „Sie aß am liebsten Apfelkuchen, verkleidete sich gern in Sachen, die ihr zu groß waren, studierte die Theorien Einsteins, fand, alles sei relativ, und beschloss: Mein Name sei Annalena Baerbock.“ Später promovierte und echauffierte sie sich in Futur II und angewandter Ausrede. Als Mannschaftskapitänin des 1. FC Schienbeintreten wurde sie zur „Fußballerin des Jahres“ gekürt, weil sie so zielsicher Eigentore schießt. Heute arbeitet sie als Vertreterin von Markenprodukten hauptsächlich an sich selbst. Karsten Laske