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The week

from 3. until 9. June 2021

Nicaragua

Unter Hausarrest

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Foto: Getty Images

Schon kurz nach dem Fall der Somoza-Diktatur im Juli 1979 gab es diesen Konflikt. Die regierenden Sandinisten haderten mit der Zeitung La Prensa, damals Sprachrohr der bürgerlichen Opposition und Eigentum der Familie Chamorro. Fünf Monate vor der Präsidentenwahl am 7. November 2021 stehen sich die Antipoden von einst erneut gegenüber: Staatschef Ortega und Cristiana Chamorro, Tochter der einstigen Prensa-Verlegerin Violeta de Chamorro. Erstere will für die Alianza Ciudadanos kandidieren und deren Zerstrittenheit beenden. Ob sie antreten kann, erscheint fraglich. Die Staatsanwaltschaft hat Hausarrest verhängt. Der Vorwurf: Geldwäsche und „ideologische Falschheit“. Lutz Herden

Österreich

Kommando Kickl

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Foto: Getty Images

Schon scheint es soweit zu sein, dass die „Freiheitlichen“ einen neuen Parteichef brauchen. Die FPÖ-Übergangslösung Norbert Hofer, der den Vorsitz von Heinz-Christian Strache übernahm, als der wegen des Ibiza-Videos schwer ins Abstürzen kam, hat sich verbraucht. Was der Betreffende auch selbst so sieht. Als Nachfolger steht Herbert Kickl bereit, um als FPÖ-Fraktionsführer im Parlament das Kommando für die Partei zu übernehmen. Kickl will für mehr „harte Opposition gegen den Corona-Wahnsinn“ der Regierung Kurz sorgen. Noch zögern indes die Chefs der Landesparteien in der Steiermark und in Wien, den Wechsel abzusegnen. Ausgemacht ist nichts, eine jähe Wendung möglich. Lutz Herden

Rom/Köln

Päpstliche Prüfung

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Foto: Getty Images

In Köln sind am 7. Juni zwei „Apostolische Visitatoren“ des Papstes eingetroffen, um die Vorwürfe gegen Rainer Maria Kardinal Woelki zu prüfen, er habe zur Vertuschung sexuellen Missbrauchs in seinem Erzbistum beigetragen. Eine Vorstufe zur Amtsenthebung muss das nicht sein, hat doch die römische Glaubenskongregation bereits im Februar behauptet, Woelki habe korrekt gehandelt – was Kirchenrechtler bezweifeln. Am 4. Juni hatte Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, seinen Rücktritt angeboten. Ihm wirft niemand Fehler vor, aber er sieht die Notwendigkeit, ein Zeichen zu setzen. Marx geht, Woelki bleibt? Verkehrte Welt. Michael Jäger

Psychotherapie

Rationierung vom Tisch

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Foto: Imago

Der kurzfristig von der Regierung eingereichte Änderungsantrag zur Reform der Psychotherapie wird nicht umgesetzt. Jens Spahns Gesundheitsministerium wollte Therapien künftig „bedarfsgerecht“ gestalten, indem nicht mehr länger Therapeuten über deren Art und Dauer entscheiden, sondern ein Regierungsgremium (der Freitag 22/2021). Verschiedene Verbände und Gruppen hatten zum Protest dagegen aufgerufen – mit Erfolg: Die SPD-Bundestagsfraktion stimmte vergangene Woche gegen den Antrag. Therapeutenverbände zeigten sich erleichtert. Das Signal aber war deutlich: Psychotherapie gilt dem Gesundheitsministerium offenbar als zu teuer und zu ineffizient. Konstantin Nowotny

Ausgedacht & draufgesetzt

Falsch gepolt

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Foto: Getty Images

Eigentlich war das elektromagnetische Feld von Stendal bis zum Burgenlandkreis nur eine Kunstinstallation von Studierenden der Burg-Giebichenstein-Hochschule in Halle. Offenbar magnetisierte jenes aber nicht nur Materialien, sondern auch Meinungen. „Wir müssen feststellen, dass es eine sehr starke Polarisierung gab (…) Da fällt es natürlich schwer für die SPD, Wählerinnen und Wähler zu halten“, sagte Katja Pähle, Spitzenkandidatin der SPD in Sachsen-Anhalt. Niedriglöhne, Strukturwandel, Ost-West-Ungleichheit – daran hat’s nich jelegen. Eine unsichtbare Kraft zog Wählerinnen und Wähler weg von der Sozialdemokratie. Wie will man das wieder umpolen? Konstantin Nowotny