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The week

from 24. until 30. May 2018

Nebenjob

Miete frisst Gehalt

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Foto: Imago

Schuften nach Feierabend, für immer mehr Menschen ist das Alltag. Fast jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat einen Nebenjob. Nun hat sich Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit, zu Wort gemeldet. Das Wohnen wird zu teuer, hohe Mieten sorgen dafür, dass mehr Menschen einen Zweitjob annehmen müssten, sagte er. Die Wortmeldung orchestriert die „Wohnraumoffensive“ der Regierung, die die Kanzlerin gerade bewirbt. In den letzten Legislaturperioden war es allerdings vor allem die CDU, die dafür sorgte, dass die Mieten ungebremst steigen. Dazu passt, dass beim Thema Zweitjob über den Niedriglohnsektor als Ursache geflissentlich geschwiegen wird. Martina Mescher

Türkei

Die Lira verliert an Wert

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Foto: Getty Images

Die Zeit der AKP als Regierungspartei könnte so enden, wie sie 2001/2002 begann – mit einer Finanz- und Wirtschaftskrise. Jedenfalls hat der Wertverfall der türkischen Lira Wahlkämpfer Erdoğan am Wochenende appellieren lassen: „Meine Brüder, könnten die von euch, die Euro und Dollar unter ihren Kopfkissen haben, dieses Geld bitte in Lira investieren?“ Knapp 20 Prozent Wertverlust gegenüber dem Dollar, verpuffende Zinserhöhungen durch die Zentralbank, Staatsanleihen- und Börsenkurse im Fall: Der Abzug von Kapital stellt die Türkei vor ernste Probleme, denen Erdoğan nach einem Wahlsieg mit einer stärker politisch gesteuerten Geldpolitik zu begegnen gedenkt. Sebastian Puschner

Spanien

Echte Luxus-Demokratie

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Foto: Imago

Dürfen Podemos-Politiker eine 600.000 Euro teure Villa auf einem 2.352 m² großen Grundstück in einem Luxusvorort von Madrid kaufen? Zumindest verlieren sie dadurch nicht die Unterstützung ihrer Basis. 68,4 Prozent der Mitglieder der spanischen linksalternativen Partei sprachen ihrem Chef Pablo Iglesias (Foto) am Wochenende ihr Vertrauen aus, ebenso seiner Partnerin und Podemos-Sprecherin im Parlament, Irene Montero. Beide hatten ihre Posten in dem Votum zur Disposition gestellt, 190.000 der 500.000 Mitglieder stimmten ab. Podemos wurde 2014 aus einer Demokratiebewegung heraus als Partei gegründet, deren Politiker sich nicht als politische Kaste abschotten sollten. Elsa Koester

G20

Vermummte Staatsdiener

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Foto: Imago

Ein Polizist hat sich verplappert: Bei einem Gerichtsverfahren gegen einen G20-Aktivisten in Hamburg sagte ein sächsischer Beamter aus, als Zivilpolizist bei der Demonstration „Welcome to hell“ agiert zu haben – vermummt. Vermummung aber, eine Straftat, gab die Polizeiführung als Grund für den Stopp der Demonstration an. Haben Polizisten zur Eskalation beigetragen? Die Staatsanwaltschaft will nicht ermitteln. Polizisten fielen nicht unter das Versammlungsgesetz, lautet die Begründung der Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Ein Kollege des vermummten Staatsdieners verweigerte die Aussage. Das Thema wird nun den G20-Sonderausschuss in der Hamburger Bürgerschaft beschäftigen. Elsa Koester

Kolumbien

Der innere Frieden

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Foto: Getty Images

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl in Kolumbien dürfte nicht nur für den Friedensprozess entscheidend sein. Nach der ersten Wahlrunde gehen ein Gegner und ein Fürsprecher des Farc-Abkommens in die Stichwahl. Am 17. Juni werden nun der erzkonservative Iván Duque und Gustavo Petro von der linken Bewegung Colombia Humana gegeneinander antreten. Duque will den Friedenvertrag mit der Farc in wesentlichen Punkten ändern. Seine Partei Centro Democratico hatte während des Wahlkampfs Ängste vor dem linken Gegner geschürt. Petro, Ex-Guerrilero und Ex-Bürgermeister Bogotás sagte am Wahlabend, er wolle „die Reichen nicht ärmer machen, sondern die Armen reicher“. Martina Mescher