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Et voilà: ein Homme de Lettres

Wer die französische Literatur liebt, ohne sie doch in der Originalsprache lesen zu können, ist dem Autor dieses Bekenntnisses oft begegnet: Friedhelm Kemp hat Baudelaire und Cocteau, Valéry und Jouhandeau, Simone Weil und Charles Péguy (um nur wenige zu nennen) ins Deutsche übersetzt. Kaum einer hat mehr in den Jahrzehnten nach Kriegsende für unsere Kenntnis der französischen Literatur und damit für die Versöhnung beider Kulturen getan als er. Deutlich erinnere ich mich, welch eine Offenbarung für uns junge Leser seine Prosaübertragung der Fleurs du Mal war, gerade durch ihren Verzicht, Reim und metrische Form nachzubilden. Die rhythmische Prosa erschien ihm flexibler, nuancierter, musikalisch reicher als die Versübertragung mit ihrem „Silbenzwang und ihrer Reimnot“; in unseren Augen b…

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