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1934: Der Hölle Ordnung

Draußen, vor dem Tor, jagen Kinder vorbei und singen: „Maikäfer, flieg, der Vater ist im Krieg.“ Drinnen, hinterm Tor, liegt in einer alten Werkhalle Stroh auf kaltem Beton und grobem Stein. Nicht zum Zudecken sind die Ballen gedacht, nur zum Drauflegen, wenn es Nacht wird im Massenarrest für hundert bis hundertfünfzig Menschen, die hier als Schutzhäftlinge festgehalten werden. Die ersten kommen am 6. März 1933, springen vom Wagen und hinein ins SA-Spalier, dann immer weiter den Kiesweg entlang und an den Latrinen vorbei. Tage zuvor hat Werner Best, Staatskommissar für das Polizeiwesen im Volksstaat Hessen, die ehemalige Papierfabrik am Ziegelhüttenweg in Osthofen zum Konzentrationslager bestimmt. Abgesehen von den Verhörkellern in der Papestraße und dem Columbia-Haus in Berlin wie eine…

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