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The week

from 7. until 13. May 2020

Nahrung/Genuss

Krankes Schlachten

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Foto: Getty Images

Es ist „das traurige Resultat eines kranken Systems“, stellt Freddy Adjan fest, Vizechef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten: Arbeiter in Schlachthöfen sind stark gefährdet, sich mit Covid-19 zu infizieren, wie Ausbrüche in Schlachtfabriken etwa in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein zeigen. Im nun geschlossenen Westfleisch-Werk in Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) zeigten 952 Tests unter 1.200 Mitarbeitern 230 Infektionen an. „Arbeitgeber lagern nicht nur die Arbeit, sondern auch jede Verantwortung bequem an Subunternehmen aus“, so Adjan. Das führt zu Mängeln bei Arbeitsschutz und Unterbringung der oft aus dem Ausland rekrutierten Kräfte. Sebastian Puschner

Russland

Tabuzone Park

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Foto: Getty Images

Am 9. Mai, dem Tag des Sieges, wurde nicht nur der Helden des Großen Vaterländischen Krieges gedacht. Man würdigte ebenso die „Helden an der Corona-Front“, wie es der TV-Kanal NTW formulierte. In der Woche zuvor waren in Russland die Infektionszahlen stark gestiegen, lagen nur noch knapp unter dem Wert 200.000. Dabei erweist sich Moskau als das Epizentrum, weshalb für die Zwölf-Millionen-Metropole in Aussicht stehende Lockerungen vorerst abgesagt sind. Doch wird in Betrieben und auf Baustellen teilweise wieder gearbeitet, während Parks, Museen sowie Kinos Tabuzonen bleiben. Bisher bestreitet die Regierung, über eine Ausrufung des Notstands nachzudenken. Lutz Herden

Argentinien

Enteignungen per Gesetz?

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Foto: Imago Images

Die Corona-Krise kann tatsächlich dazu führen, gesellschaftliche Verhältnisse umzukrempeln, jedenfalls in Argentinien. Dort berät der Kongress eine Gesetzesvorlage, die darauf zielt, Betriebe zugunsten ihrer Arbeiter und Angestellten zu enteignen. Der Entwurf ist überschrieben mit „Gesetz zur Rückaneignung produktiver Einheiten“. Die Beratung habe schon im April begonnen, berichtet das Portal amerika21. Mit „Einheiten“ sind Firmen gemeint, die u.a. Corona-bedingt mit Zahlungsausfall zu kämpfen haben, sodass Stilllegung droht. Auch wenn sich Eigentümer zurückziehen und eine Betriebsschließung möglich ist, sollen die Beschäftigten Verantwortung übernehmen können. Lutz Herden

UN-Sicherheitsrat

USA scheren aus

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Foto: Getty Images

Es sollte um eine 90-tägige Feuerpause in allen Konfliktregionen weltweit gehen. In Afghanistan ebenso wie im Jemen, um dort Maßnahmen gegen Covid-19 ergreifen zu können. Der Sicherheitsrat wollte geschlossen dazu aufrufen, nachdem der Resolutionsentwurf Frankreichs und Tunesiens über Wochen hinweg beraten wurde. Auch die Zustimmung der USA schien gesichert, doch dann signalisierte US-Botschafterin Kelly Craft, ihre Regierung könne die Resolution nicht unterstützen. Da keine Gründe genannt wurde, kursieren Vermutungen. Eine davon lautet, Präsident Trump hielt es für unzulässig, dass die von ihm attackierte Weltgesundheitsorganisation indirekt erwähnt wurde. Lutz Herden

Waldkraiburg

Hass auf Türken

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Foto: Getty Images

Er hatte zündfähige Rohrbomben im Gepäck, aber keinen Fahrschein für die Regionalbahn: Streifenpolizisten haben am Bahnhof des oberbayerischen Mühldorf am Inn einen 25-Jährigen festgenommen, der bald darauf einräumte, hinter der Anschlagserie gegen Geschäfte türkischstämmiger Inhaber in Waldkraiburg zu stecken. Seit Mitte April hatten Steinwürfe auf einen Friseursalon, eine Pizzeria und einen Kebabimbiss, dann ein Großbrand in einem Lebensmittelgeschäft für Angst und Schrecken in der türkischen Community Waldkraiburgs gesorgt. Der 25-jährige Deutsche, Sohn türkischstämmiger Eltern, gab „Hass“ auf Türken und seine Anhängerschaft zum IS als Motiv an. Sebastian Puschner