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The week

from 9. until 15. May 2019

Türkei / Deutschland

Deniz Yücel sagt aus

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Foto: Getty Images

Schläge, Tritte, verbale Erniedrigung und Drohungen durch Vollzugsbeamte: Vor dem Amtsgericht Berlin hat der Journalist Deniz Yücel seine Zeit in türkischer Untersuchungshaft geschildert und Foltervorwürfe erhoben, die Verantwortung trage Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Ein Jahr lang saß der Türkei-Korrespondent der Welt im Gefängnis, ohne Anklage, meist in Einzelhaft. Die Bundesregierung reagierte auf den Foltervorwurf lediglich mit einer Ermahnung an die türkische Regierung, sich an die UN-Antifolterkonvention zu halten. Eine scharfe Reaktion sieht anders aus. Ankara hat den deutschen Botschafter schon zigmal einbestellt, die Anlässe waren nie so gravierend wie ein Foltervorwurf. Martina Mescher

Thyssenkrupp

Stellenabbau ohne Fusion

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Foto: Getty Images

Lange Zeit hatte der Konzernvorstand diese Fusion angepeilt, jetzt ist sie abgeblasen: Thyssenkrupp verschmilzt seine Stahlsparte doch nicht mit dem indischen Unternehmen Tata Steel, Auflagen der EU-Kommission hätten das Unterfangen wohl nicht mehr so lukrativ für die Anteilseigner ausfallen lassen wie erhofft. Stattdessen soll nun das gut laufende Aufzuggeschäft eigens an die Börse gebracht werden. Die Aktie des Gesamtkonzerns legte zuletzt zu – Anlegern gefällt wohl, was das Management seiner Absage der Fusion folgen ließ: die Ankündigung, 6.000 der rund 160.000 Stellen zu streichen, 4.000 in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nur im Ausnahmefall geben. Sebastian Puschner

Kirchenstreik

Maria mag nicht mehr

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Foto: Friso Gentsch/dpa

An Hunderten Orten haben hierzulande katholische Frauen am Wochenende mit einem Kirchenstreik begonnen. Eine Woche lang wollen sie keine Kirche betreten und keine ehrenamtlichen Dienste leisten, stattdessen wird auf öffentlichen Plätzen gebetet und protestiert. „Maria 2.0“ nennt sich die Bewegung, die Initiatorinnen kommen aus Münster. Es geht gegen die männerdominierte Kirche, gefordert wird der Zugang von Frauen zu den Weiheämtern in der katholischen Kirche und die Abschaffung des Zölibats. Ein weiterer Grund für den Streik ist die lückenhafte Aufarbeitung der zahlreichen Fälle von sexueller Gewalt in katholischen Einrichtungen und das Ausbleiben ernst gemeinter Hilfe. Martina Mescher

Südafrika

Gebremster Fall

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Foto: Getty Images

Steht der ANC vor der letzten Legislaturperiode, in der er allein, weil mit absoluter Mehrheit regiert? Bei der Parlamentswahl am 8. Mai gab es für die Partei mit 57,5 Prozent das schlechteste Ergebnis seit Ende der Apartheid – ein Minus von 4,7 Prozent gegenüber 2014. Dass sich der Stimmenverlust in Grenzen hielt, wird vor allem der persönlichen Integrität von Präsident Cyril Ramaphosa zugeschrieben, der sein Amt Anfang 2018 von Jacob Zuma übernahm. Von den Einbußen des ANC hat die Demokratische Allianz (DA) mit 20,8 Prozent (minus 1,7) nicht profitiert, wohl aber die linkspopuläre Formation Economic Freedom Fighters, die sich um 4,4 Prozent und 19 Mandate steigerte. Lutz Herden

Frankreich

RIP, Privatisierung

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Foto: Philippe Lopez/AFP/Getty Images

Frankreichs Wirtschaftsministerium musste die Privatisierung der Pariser Flughäfen (ADP) zähneknirschend aussetzen: ein Etappensieg des ersten „Referendums durch geteilte Initiative“ (RIP). 248 Abgeordnete und Senatoren von Sozialisten, Republikanern, Kommunisten und La France Insoumise hatten das Volksbegehren gegen den Verkauf der milliardenschweren staatlichen ADP-Anteile initiiert (der Freitag 18/2019); die Hürde lag bei 185. Der Verfassungsrat ließ es also zu. Nun müssen innerhalb von neun Monaten 4,7 Millionen Unterstützer gefunden werden. Gelingt dies, muss die Regierung ein Referendum über den Verbleib der ADP als „Einrichtung des öffentlichen Dienstes“ organisieren. Elsa Koester