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Abinote

A

Arbeiterabitur nannten wir ironisch das Ziel unserer Anstrengungen an der Volkshochschule Leipzig, die sich – 1922 gegründet – der Arbeiterbildung verpflichtet fühlte. Ich war zum regulären Abitur nicht zugelassen worden.

Bei der Anmeldung fragte niemand nach den – weltanschaulichen – Gründen. Politisch-ideologische Unterweisung stieß auf streitbare Hörer. Zweimal abends bis 21 Uhr und am Sonnabend bis Mittag drückten wir „Spätberufenen“ die Schulbank. Ständig guckte bei der Deutschlehrerin (➝ Schülerzeitung) der Unterrock vor, aber sie konnte so spannend über Goethes Faust reden. Wir diskutierten kontrovers über Christa Wolfs Geteilten Himmel. Der Geografielehrer erklärte begeistert die Gewaltenteilung nach Montesquieu. Nach dem Unterricht gingen wir oft noch einen trinken. Es wurde …

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